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Mo. 1. März 2010 - 06:58 Uhr
0,8 Millimeter Vorsprung entscheiden

Am 18. März wird der SVC-Unternehmerpreis Ostschweiz verliehen. Unter den sechs Finalisten ist auch die Oertli Instrumente AG. - mbMC

Verwaltungsratspräsident Andreas Bosshard: «Auch im Jahr 2009 verzeichneten wir ein Wachstum.»
 
Verwaltungsratspräsident Andreas Bosshard: «Auch im Jahr 2009 verzeichneten wir ein Wachstum.»

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Seit über 50 Jahren entwickelt, produziert und vertreibt die Oertli Instrumente AG in Berneck erfolgreich Geräte und Instrumente für die Augenchirurgie. Ab 1965 entwickelte Oertli die europaweit ersten Instrumente für die Entfernung des Glaskörpers (Vitrektomie). Diese Pioniertat ermöglichte erstmals Netzhautoperationen. Seither hat Oertli seine führende Stellung auf diesem Gebiet beibehalten und mit wegweisenden Ausrüstungen für die Katarakt- und Netzhautchirurgie gefestigt. Die Marke Oertli und ihr Adlersymbol geniessen hohes Ansehen in aller Welt.

Noch ist im Büro von Andreas Bosshard nicht alles vollständig eingerichtet. Einige Geräte müssen noch installiert werden, und in der Ecke stapeln sich die Ordner. Mit der Übergabe der Geschäftsleitung an Sohn Christoph per 1. Januar dieses Jahres hat Andreas Bosshard auch gleich sein bisheriges Arbeitszimmer aufgegeben und neue Räumlichkeiten im hinteren Teil des Gebäudes bezogen. Damit wurde nach einer längeren Phase, in der auch der Verkauf des Unternehmens zur Diskussion stand, die Nachfolgeregelung endgültig vollzogen: Die Oertli Instrumente AG bleibt in Familienhänden und erhält neue Strukturen. An der Spitze steht mit Alleinaktionär Andreas Bosshard nicht mehr eine einzige Person, sondern fortan ein fünfköpfiger Verwaltungsrat. Dieser soll sicherstellen, dass die Strategie des Unternehmens auch in Zukunft ein stetiges Wachstum garantiert. Und die Ausgangslage hierfür könnte gar nicht besser sein.

Nummer 1 der «Unabhängigen»
Als unabhängige Firma in Familienbesitz beschäftigt die Oertli Instrumente AG gegen 100 Mitarbeiter und verzeichnet jährliche Wachstumsraten von markant über zehn Prozent. Ein beachtlicher Leistungsausweis in einer Branche, die vor allem von den drei amerikanischen, international tätigen Grosskonzernen – Alcon, Bausch & Lomb und Abbott Medical Optics – beherrscht wird. Genau wie ihr Firmenlogo, der Adler, hat sich das Rheintaler Unternehmen aber stets eine günstige Position gesichert, um auf die «Jagd» zu gehen. Erhaben und souverän setze es sich auch bei Gegenwind durch. Grundlage hierfür war eine klare Strategie. «Neben den drei Grosskonzernen gibt es eine Vielzahl von kleineren Anbietern», sagt Andreas Bosshard. «Wir nennen diese ‚Die Unabhängigen’, auch wenn man nicht in jedem Fall weiss, wie unabhängig sie wirklich sind. Jedenfalls war es unser Ziel, die Nummer 1 in diesem Bereich zu werden – und damit für Kunden eine echte Alternative zu den ‚grossen Amerikanern’.»

Erreicht hat man dies mit Geräten und Instrumenten für die Augenchirurgie, die sicherer, einfacher und effizienter sind. Man lege die Produkte nicht nach dem Geschmack der Amerikaner aus, sondern stelle europäische und asiatische Bedürfnisse ins Zentrum. So entwickelte Oertli unter anderem für die Behandlung des «Grauen Star» (Katarakt) das erste tragbare Operationsgerät.

Welten im Millimeterbereich
Verändert hat sich der Markt Ende der 1990er Jahre mit dem Aufkommen der Einwegartikel im Operationssaal. Instrumente wurden fortan vermehrt steril angeliefert und nach einmaligem Gebrauch fachgerecht entsorgt. Für die Produktanbieter hatte das entscheidende Konsequenzen. Wem es gelingt, sein Gerät – das vereinfacht gesagt die Einwegartikel ‚steuert’ – in einem Spital zu platzieren, der ist in der Regel auch für sämtliche nachfolgenden Lieferungen von Instrumenten zuständig. Umso wichtiger ist es aber, sich in beiden Bereichen von der Konkurrenz abzuheben. Gerade in dieser Branche ist hierfür ein immenses Know-how von Nöten. Um stetig am Ball zu bleiben, müssen nicht nur die neuesten Erkenntnisse der Augenchirurgie, sondern auch Feinwerktechnik, Pneumatik, Optik und Software in ein Produkt integriert werden.

Und entscheidend sind oftmals Bruchteile eines Millimeters. Bei der Netzhautchirurgie gelang Oetli hierbei der entscheidende Schritt: Hatten Instrumente, die für eine solche Operation eingesetzt werden, vor Jahren noch einen Durchmesser von 1,3 Millimetern, so haben sie sich inzwischen auf bis zu 0,5 Millimeter reduziert. Man muss kein Fachmann sein, um zu erkennen, dass 0,8 Millimeter im Bereich des Auges ganze Welten darstellen. Welten, die der Oertli Instrumente AG auf dem ganzen Globus einen Namen verschafft haben.



 
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