Er brachte das Wahljahr 2011 so richtig in Schwung: Thomas Müller sorgte mit seinem Parteiwechsel für rote Köpfe bei der CVP und für Feststimmung bei der SVP. Sieben Fragen an den Nationalrat und Stadtpräsidenten von Rorschach. - mbMC
Thomas Müller, neueste Zahlen sagen der SVP einen weiteren Wählerzuwachs und der CVP einen Rückgang voraus. Haben Sie also einfach rechtzeitig das sinkende Schiff verlassen?
Nein, das hat damit nichts zu tun. Ich möchte eine Politik machen, die meiner Überzeugung entspricht. Im Landesinteresse müssen wir eine härtere Linie fahren gegen den Druck aus dem Ausland, beim Umverteilungsstaat und gegen laufend neue Regulierungen.
Welches waren die heftigsten Reaktionen auf Ihren Parteiwechsel?
Die weit überwiegende Mehrheit der gut 400 Zuschriften und Mails waren positiv. Sogar Unternehmer aus dem Wirtschaftsflügel der CVP zeigten Verständnis. Es gingen aber auch zwei anonyme Drohungen gegen meine Familie ein.
Bemängelt wurde die Art der Kommunikation, beispielsweise, dass Sie CVP-Fraktionschef Urs Schwaller nicht informiert hätten. Hatten Sie wirklich keine Zeit für dieses Telefonat?
Das war ein Fehler, der mir trotz der Hektik nicht hätte passieren dürfen. Der Sonntagsblick hatte von den Gesprächen erfahren und brachte den geplanten Informationsablauf durcheinander.
Sie waren der CVP rund 40 Jahren lang treu. Wer hat sich während dieser Zeit verändert? Sie oder die Partei?
Die Bandbreite der politischen Meinungen innerhalb der Partei ist deutlich grösser geworden. Was im politischen Marketing als Mitte bezeichnet wird, ist oft nicht mehr als eigene Position erkennbar. Es trifft zwar zu, dass die CVP-Fraktion bei Abstimmungen im Parlament oft zur Mehrheit gehört. Aber es liegt letztlich nur daran, weil sie einmal links und ein andermal rechts zur Mehrheit verhilft.
Fühlen Sie sich in der SVP rundum wohl, menschlich und auch bei Sachfragen?
Ja. Diskussionen werden sehr direkt geführt. In den für das Land wichtigen Sachthemen ist die Partei auf Kurs.
Ist die heutige CVP dem Untergang geweiht, wie einige Stimmen prognostizieren?
Mir steht es nicht zu, die Zukunft der CVP vorauszusagen. Entscheidend wird sein, ob das, was sie als Mitte bezeichnet, von den Wahlberechtigten tatsächlich als eigenständige, verlässliche Position aufgefasst wird. Das «C» allein vermag kaum mehr Wähler zu mobilisieren.
Wie viele Nationalratsitze wird die SVP im Kanton St.Gallen im Herbst holen?
Darüber werden die Wahlberechtigten am 23. Oktober entscheiden. Ich weiss, dass ich meinen Nationalratssitz auf der SVP-Liste nicht auf sicher habe. Es steht ein anstrengender Wahlkampf bevor. Ich bin das Risiko eingegangen, weil ich eine Politik machen will, die meiner Überzeugung entspricht.
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