Peter Spenger, langjähriger CEO der Telsonic AG, wird neuer Präsident der IHK St.Gallen-Appenzell. Als Nachfolger von Privatbankier Konrad Hummler ist er die perfekte Wahl. - mbMC
Noch kann man sich eine IHK ohne Konrad Hummler schwer vorstellen. Seine mediale Präsenz als erfolgreicher Privatbankier im In- und Ausland kam auch der Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell zugute. Wie kein Zweiter schafft es Hummler in seinen rhetorisch überzeugenden Reden, Substanzielles unterhaltsam zu vermitteln. Was er sagt, wird gehört. Davon profitiert ab April in erhöhtem Ausmasse die NZZ-Gruppe, deren VR-Präsident Hummler werden soll. Er wird einen grossen Teil seiner übrigen Mandate und Verpflichtungen aufgeben, um sich auf die Tätigkeit als Privatbankier und die Herausforderungen im Medienbereich konzentrieren zu können.
Das führt auch an der Spitze des bedeutendsten Wirtschaftsverbandes der Ostschweiz zu einem Wechsel: Hummler tritt auf die IHK-Generalversammlung 2011 zurück. Als Nachfolger wird Peter Spenger vorgeschlagen. Was für Spenger überraschend kam, ist für die IHK ein Glücksfall. Sie erhält einen neuen Präsidenten, der die grosse Lücke, die Konrad Hummler hinterlassen wird, auszufüllen vermag. Und dafür ist nicht zuletzt Hummler selbst verantwortlich: Als VR-Präsident der Telsonic kennt er Spengers Führungsstil bestens und wusste auch, dass der 59-Jährige nach seinem Rücktritt als CEO des Hightech-Unternehmens nicht vorhatte, nur noch den Garten zu pflegen. Spenger sucht für die Zeit nach der 20-jährigen Unternehmertätigkeit eine neue Herausforderung. Und Hummler konnte ihm diese bieten.
Nicht mit 60 in Pension
Alles passte demnach bestens zusammen, als der Bankier dem ausgebildeten Piloten im Herbst 2010 das Angebot unterbreitete, Präsident des Wirtschaftsverbandes zu werden. Für Spenger – obwohl seit 2009 im Vorstand der IHK – kam das unerwartet, «fast wie aus heiterem Himmel», wie er erklärt. Lange überlegen musste er dennoch nicht: «Mich mit 60 zu pensionieren, würde nicht meinem Naturell entsprechen. Die IHK bietet mir ein spannendes und breites Aufgabengebiet, für das ich mich in den nächsten Jahren mit voller Überzeugung einsetzen möchte.»
Dabei werde er den eingeschlagenen Weg weiterverfolgen, denn die Richtung der IHK stimme. Ihre Strategie und ihre Dienstleistungspalette für Unternehmen empfindet Spenger als hervorragend. «Ich werde dabei meine Erfahrung als Unternehmer und meinen eigenen Stil einbringen, und ich werde meine eigenen Werte pflegen.» Zu einer grossen Umwälzung wird es in der IHK demnach nicht kommen; Spenger und Hummler pflegen einen ähnlichen Führungsstil. «1974 waren wir gemeinsam in der Offiziersschule, da haben wir gewisse Grundsätze gelernt. Grösster Unterschied ist wohl, dass Konrad Hummler wesentlich besser vernetzt ist im Gebiet der IHK», erklärt der künftige IHK-Präsident kürzlich in einem Interview mit dem «St.Galler Tagblatt». Sein Netzwerk will er nun in den nächsten Monaten gezielt aufbauen, Firmen besuchen und den Austausch mit den Kantonsregierungen pflegen.
Pilot startet mit Unternehmen durch
Das IHK-Präsidium krönt eine schon sonst abwechslungsreiche und erfolgreiche Laufbahn. Spenger ist langjähriger Präsident der Arbeitgebervereinigung Region Wil und seit Juni 2009 auch Vorstandsmitglied der IHK St.Gallen-Appenzell. Nach der Berufslehre bei der Bühler AG in Uzwil absolvierte er eine Ausbildung zum Militärberufspiloten und war sechs Jahre lang Mitglied des Überwachungsgeschwaders Dübendorf. Während elf Jahren war Spenger als Linienpilot bei der Swissair tätig, bevor er Anfang der 1990er Jahre eine Einzelfirma für den Steuerungsbau gründete. 1995 wurde er im Rahmen eines Management-Buy-ins zum Geschäftsführer und Mehrheitsaktionär der Telsonic AG in Bronschhofen. Peter Spenger führte das Unternehmen schnell auf die Erfolgsstrasse: Unter anderem gewann er mit der Telsonic AG 2006 den begehrten Unternehmerpreis Ostschweiz. Von der Innovationskraft des Unternehmens zeugen aber auch zahlreiche Patente.
Die Telsonic AG zählt heute weltweit zu den führenden Anbietern in der modernen Ultraschall-Technik. Mit eigenen Niederlassungen oder über Joint Ventures ist das Unternehmen in England und Deutschland ebenso präsent wie in den USA, Indien oder China. Mit der Gründung einer Tochterfirma in Serbien wurde 2004 ein wichtiger Schritt für die Erschliessung der osteuropäischen Märkte getan. Rund 85 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Telsonic im Export.
Im Sinne einer langfristigen Planung seiner Nachfolge entschied Peter Spenger vor fünf Jahren, seine Anteile an der Telsonic AG schrittweise zu verkaufen. Als Folge des Verkaufs trat er per 30. Juni 2010 auch als CEO zurück, und per Ende vergangenen Jahres ging der letzte Anteil an die Familienholding der Familie Vietze in Frauenfeld über. Telsonic wird unter dem bisherigen Namen und der bisherigen Struktur erhalten und gezielt weiter ausgebaut. Seit Juli 2010 wird die Telsonic-Gruppe vom langjährigen Vertriebsleiter Ernst Züblin geführt.
Loslassen, um Platz zu schaffen
Dass das Unternehmen auch weiterhin von einer Familie geführt wird, war Spenger enorm wichtig. «Meiner Meinung nach ist das eine der grössten Stärke dieses Unternehmens.» Gehört eine solche Hightech-Firma zu einem Grosskonzern, werde sie schwerfällig. Die Telsonic müsse unter Umständen sehr rasch und unkonventionell Entscheidungen treffen, um Chancen und Möglichkeiten nutzen zu können. «Das zu erhalten war mein Anliegen. Folglich suchte ich nach einer neuen Eigentümerschaft, hinter der wiederum eine Familie steht», erklärt Spenger.
Und wie schwer fiel ihm das Loslassen? «Den richtigen Moment zu finden, ist immer schwer. Den Entscheid, eine Nachfolge zu suchen, fällte ich bereits vor über fünf Jahren. Anschliessend gab es für mich kein Zurück mehr. Denn Gründe, trotzdem zu bleiben, würde man immer finden: Entweder läuft es im Unternehmen schlecht und man hat nicht den Mut zu gehen, oder es entwickelt sich alles so prächtig, dass man die Entwicklungen gerne noch mitverfolgen würde.» Im Fall der Telsonic war es eher letzteres. Gerne hätte Peter Spenger noch das eine oder andere interessante Projekt weiter begleitet. Aber er hielt an seinem gefällten Entscheid fest, liess los und schaffte damit Platz für eine neue Herausforderung.
Konrad Hummler
Konrad Hummler, geschäftsführender Teilhaber von Wegelin & Co. Privatbankiers in St.Gallen, engagiert sich seit 1991 für den Ostschweizer Wirtschaftsverband. Nach mehrjähriger Vorstandstätigkeit wurde Hummler 2003 zum Präsidenten der IHK St.Gallen-Appenzell gewählt. Im Grund hatte er 2009, nach zwei Amtszeiten, die Absicht, kürzerzutreten. Es war die schwierige wirtschaftliche Lage, die den initiativen Präsidenten dazu veranlasste, sich zur Annahme einer dritten Amtsdauer bereit zu erklären. Auf die IHK-Generalversammlung vom 15. Juni 2011 in Wattwil tritt Hummler nun aber nach zwei Amtsperioden und weiteren zwei Jahren an der Spitze des Wirtschaftsverbandes infolge Amtszeitbeschränkung definitiv zurück. Konrad Hummler hat mit seiner herausragenden Persönlichkeit die zurückliegenden, erfolgreichen Jahre der IHK wesentlich geprägt. Die Würdigung seiner Vorstands- und Präsidialzeit erfolgt im Rahmen der IHK-Generalversammlung im Juni.
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