Eine Ära geht zu Ende. An der Spitze der AFG Arbonia-Forster-Holding AG kommt es zu einem Führungs- und Generationenwechsel: Daniel Frutig (49) übernimmt vom 69-jährigen Edgar Oehler das Amt des CEOs. Im Gespräch sagt Oehler, ob es ihm leicht fällt, kürzerzutreten. - mbMC
Das vollständige Interview finden Sie in der gedruckten Ausgabe vom Unternehmermagazin LEADER.
Edgar Oehler, seit den schweren Erdbeben in Japan sind erst wenige Tage vergangenen. Haben die Ereignisse in irgendeiner Form auch Ihr Unternehmen betroffen?
Nein. Weil wir vorwiegend in China tätig sind, haben uns die Vorfälle rein wirtschaftlich gesehen nicht getroffen. Emotional hat es mich jedoch sehr berührt. Ich bin in Japan zur Schule gegangen, habe dort viele Bekannte – auch weil meine älteste Schwester mit einem Japaner verheiratet war. Die beiden sind inzwischen aber verstorben. Dennoch: Die familiäre Bindung zu diesem Land und seinen Menschen blieb bestehen. Daher habe ich unseren Freunden auch geschrieben und ihnen angeboten, hierher zu kommen. Das Ganze ist eine schreckliche Katastrophe.
Auch eine Katastrophe, die zeigt, dass wir in der globalen Wirtschaft mit vielen unsicheren Faktoren operieren müssen.
Das ist richtig. Ob bei Naturkatastrophen oder der jüngsten Wirtschaftskrise: An einem Ende der Welt beginnt es zu brodeln und die Auswirkungen erreichen uns innerhalb kurzer Zeit auch in der Schweiz. Erst kürzlich habe ich gelesen, dass in China für 85 Prozent der Bevölkerung der Kauf einer Wohnung ihre finanziellen Möglichkeiten übersteigen würde. Dort wartet ein ganzes Volk auf die Wende.
Relativieren solche Schicksale nicht automatisch auch den Geschäftsalltag? Wie war es bei Ihnen, als Sie die lebensbedrohende Blutvergiftung hatten?
Ja, in einer solchen Situation kommen Sie zu einer anderen Sicht der Dinge. Aber dann fragen Sie sich auch wieder, wozu Sie eigentlich hier auf der Welt sind. Sie fragen sich, ob Sie nicht auch etwas zu leisten haben, ob Sie allenfalls sogar etwas zurücklassen können. Daher sage ich auch immer: «Ein Unternehmer stirbt nicht, er geht». Als Unternehmer habe ich immer die Möglichkeiten gesehen, die Wirtschaft mitzugestalten. Ich tat dies aber nie aus reinem Selbstzweck. Ich wollte für die Region und Ihre Menschen Arbeitsplätze schaffen und erhalten. Meine ganze Energie hätte ich auch an einem anderen Ort der Welt in eine Firma investieren können. Doch meine Wurzeln habe ich hier.
Wollen Sie überhaupt kürzertreten?
Wenn jemand so etwas erlebt hat, wie ich Ende 2008 ... Wenn Sie mit einer Blutvergiftung im Spital liegen und man Ihnen sagt, dass Sie noch 24 Stunden zu leben hätten ...
Was ging Ihnen durch den Kopf?
Ich hatte ja noch alle Zügel in den Händen. Man stellt sich die Frage, was passiert, wenn man für immer gehen muss. Und die Antwort: Chaos. Diese ganzen Gedanken führen zu einem klaren Ziel: Überleben. Man will wieder alles in den Griff bekommen. Schon ein halbes Jahr später folgte aber der nächste Schicksalsschlag, als meine Frau und weitere Familienmitglieder in einen Unfall verwickelt wurden. 15 Sekunden haben genügt, um mehrere Leben aus den Fugen zu bringen. Für mich waren diese Ereignisse wie ein Schuss vor den Bug. Ich musste jetzt einfach einen Schlussstrich ziehen, damit das, was wir aufgebaut haben, weiter bestehen kann.
Sind Sie auch etwas müde?
Nein, überhaupt nicht.
Verlangen Sie von Ihrem Nachfolger den gleichen Einsatz, die gleiche Leidenschaft?
Aber natürlich. Mit dem Status quo kommen Sie nicht weiter. Geht man beispielsweise nicht mit der Technik mit, wird man von ihr überrollt. Das ist mit ein Grund, weshalb ich täglich so viel Arbeitszeit benötige. Ich lese sehr viel, um mich in allen Bereichen, die unser Unternehmen betreffen, auf den neuesten Stand zu bringen. Man muss sich mental seiner Umgebung anpassen und beide Seiten kennen, jene der Kundschaft und jene der Produktion. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass ich den Auftrag erteilt habe, eine Eismaschine für eine Küche zu kreieren. Schliesslich legte man mir dann die ersten Entwürfe vor. Diese beinhalteten dann aber neben dem eigentlichen Gerät auch noch eine integrierte Kaffeemaschine, einen Eiscrusher sowie einen Trinkwassersprudler. Kostenpunkt: rund 6'000 Franken. Ich sagte, sie könnten den ganzen Vorschlag vergessen. Was ich wollte, war einzig und alleine die Eismaschine. Und die sollte nicht mehr kosten als 400 Franken. Denn letztlich soll der Kunde selber entscheiden, was er tatsächlich benötigt. Irgendwelche Kombigeräte machen keinen Sinn.
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