St.Gallen. Die Erweiterung des Hauses 24 ermöglicht den Zusammenzug der kleinen Sterilgutversorgungsabteilungen im Kanton und am Kantonsspital St. Gallen. - mbMC
Die von Swissmedic geforderten Qualitätsstandards und Sicherheitsbestimmungen führen zu hohen Investitionen. Diese lassen sich mit der Konzentration dieser Leistung an einem Ort (Haus 24), mindern. Zudem kämpft das Kantonsspital St.Gallen seit Jahren mit räumlichen Engpässen. Am 7. März wird über die Erweiterung des Hauses 24 zu einem Logistikzentrum abgestimmt. Ein Ja zur Erweiterung des Hauses 24 ist ein Ja zu Effizienz, Wirtschaftlichkeit und kostengünstiger Struktur, zur Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätssicherung und ein Ja zur Kantonsapotheke, damit sie weiterhin die medizinische Grundversorgung des Kantons leisten kann.
Regierungsrätin Heidi Hanselmann unterstrich an der Medienorientierung zur Vorlage die Wichtigkeit der Erweiterung: Das geplante Logistikzentrum sei ein weiterer Meilenstein in der konsequenten Umsetzung der Strategie Quadriga II. Es ermögliche durch sinnvolles Zusammenlegen der einzelnen Sterilgutversorgungsabteilungen der Spitalverbunde und des Kantonsspitals an einem Ort, die Leistungen effizient in der geforderten Qualität auch in Zukunft kostengünstig erbringen zu können. Regierungsrat Willi Haag sprach von einer Erweiterung, die «einen zeitgemässen und wirtschaftlichen Betrieb der zentralen Sterilgutversorgungsabteilung, der Apotheke und der Logistik» ermöglicht.
Starke Zunahme der Operationstätigkeit
Mit der Spitalstrategie Quadriga II werden Leistungskonzentrationen umgesetzt, um Einsparungen zu erzielen, Synergiemöglichkeiten konsequent zu nutzen und die Dienstleistungsqualität langfristig zu sichern. Anstelle Investitionen in die nicht mehr den gesetzlichen Vorgaben entsprechenden Sterilisationen an den einzelnen Spitalstandorten vorzunehmen, soll nun eine Zentralsterilisation (ZSVA) für drei Spitalregionen am Kantonsspital entstehen, die auch längerfristig den wachsenden Bedürfnissen im Bereich Sterilgutversorgung entsprechen wird. So ist nebst der Erfüllung der gesetzlichen Vorschriften auch ein wirtschaftlicher Betrieb der ZSVA garantiert.
Das Kantonsspital St.Gallen betreibt bereits heute nebst dezentralen Sterilisationen in einzelen Häusern eine zentrale Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA). Sie bereitet Sterilgut für die operativen und ambulanten Bereiche sowie die Bettenstationen auf. Maschinen, Geräte und Infrastruktur der ZSVA sind veraltet, störungsanfällig und sehr wartungsintensiv. Die Zunahme der Operationstätigkeit verlangt eine höhere Stückzahl an Sterilguteinheiten. Diese können innerhalb der bestehenden Räume nicht mehr in der notwendigen Anzahl und Qualität hergestellt werden. Weil zusätzlich die Hygienevorschriften von Swissmedic verschärft worden sind, ist eine entsprechende Erweiterung unumgänglich (Swissmedic ist die zentrale schweizerische Überwachungsbehörde für Heilmittel). Mit der Verschärfung haben auch die Spitäler Wattwil, Will, Grabs und Walenstadt zu kämpfen. Es macht deshalb Sinn, diese Leistung für die Zukunft an einem Ort zu konzentrieren.
Kantonsapotheke soll vergrössert werden
Die Hauptaufgabe der Kantonsapotheke besteht darin, die Versorgung des Spitals mit Medikamenten sicherzustellen. Das heisst, den Einkauf, die Bereitstellung und die Verteilung vorzunehmen. Der Einkauf verläuft über eine zentrale Anlieferung, die durch den heutigen Standort der Apotheke nicht effizient ist. Eine weitere wichtige Aufgabe der Kantonsapotheke besteht darin, die Eigenproduktion von Arzneimitteln und die Herstellung von Medikamenten zu gewährleisten. Insgesamt werden rund 200 Produkte hergestellt. Hinsichtlich Sicherheit und Hygiene weisen die Räume im Haus 04 erhebliche Mängel auf. Für die Herstellung der Arzneimittel wird aufgrund gesetzlicher Anforderungen deutlich mehr Raum benötigt. Die Kantonsapotheke soll deshalb entsprechend ausgelegt und zusammen mit der Zentralsterilisation im erweiterten Haus 24 untergebracht werden. Damit können die Betriebsabläufe in der Apotheke verbessert werden.
Zudem soll der zentrale Wareneingang des Kantonsspital St.Gallen an der Lindenstrasse leistungsfähiger werden. Das Zentrallager dient als Drehscheibe der unternehmensweiten Versorgungsprozesse des Kantonsspitals St.Gallen. Auch die wichtiger gewordenen ganzheitlichen Logistikanforderungen im gesamten Netzwerk mit ZSVA, Apotheke und Versorgungsprozesse können in hohem Masse gedeckt werden.
Neubau in östlicher Richtung
Mit dem Bauprojekt soll für die ZSVA wie auch für die Kantonsapotheke die räumliche Situation grundlegend verbessert werden. Die Bauvorlage umfasst im Wesentlichen die Erweiterung des Hauses 24 mit einem Neubau in östlicher Richtung. Das Gebäude wird im Rahmen der ökologischen Vorbildfunktion des Kantons als Minergie-Gebäude konzipiert.
Die Baukosten für die Erweiterung des Hauses 24 als Logistikzentrum des Kantonsspitals St.Gallen (Zentralsterilisation, Kantonsapotheke und zentrale Logistik) belaufen sich auf 33 Mio. Franken. Der Zeitplan sieht vor, dass das neue Logistikzentrum im Frühling 2012 in Betrieb genommen werden kann.
Bestehende Vorlage geändert
Eine erste Vorlage zur Erweiterung des Hauses 24 mit Kosten von rund 15 Mio. Franken hatte der Kantonsrat im April 2007 verabschiedet. Das vom Kantonsspital im Folgejahr erarbeitete Projekt «Logistik 2010» zeigte, dass umfangreiche Umstellungen in den Betriebsabläufen der Ver- und Entsorgung anstehen. So sollen die dezentralen Lager auf den verschiedenen Abteilungen künftig in einem Zentrallager zusammengefasst werden. Aufgrund neuer Erhebungen mussten die Mengenanforderungen im Bereich der ZSVA erhöht werden. Ebenso sind die gesetzlich vorgeschriebenen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen im Bereich der Sterilgüteraufbereitung deutlich angestiegen. Diese neuen Erkenntnisse erforderten eine Überarbeitung der gesamten Bauvorlage.
Logistik Award für innovative Spital-Logistik
Das Kantonsspital hat den bedeutendsten Logistikpreis der Schweiz erhalten. Das Projekt «Logistik 2010» wird für die ganzheitlich und innovativ neu gestalteten Querschnittfunktionen der Spital-Logistik ausgezeichnet. Mit der Neupositionierung der Logistikprozesse wurden diese beschleunigt, vereinfacht und verbessert, was die Kosten auf Kunden- und Lieferantendieste senkt. Besondere Akzente setzte das Kantonsspital mit der Integration der Spitalapotheke in die Versorgungsprozesse und mit dem Aufbau einer Assistenz für medizinisches Verbrauchsmaterial und Medikamente. Die Jury beurteilte die Innovation des Kantonsspitals St. Gallen insbesondere vor dem Hintergrund der steigenden Krankheitskosten als besonders wertvoll. Der prozessorietierte Lösungsansatz kann somit als wegweisend für die Branche bezeichnet werden.
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