Den Frauenklöstern im Bistum St. Gallen sterben die Nonnen weg. Nachwuchs aus Entwicklungsländern könnte die Glaubens-Gemeinschaften retten. Doch die kulturellen und fremdenpolizeilichen Hürden sind hoch. - mcMC
Die Pforte des ehemaligen Kapuzinerinnen-Klosters in Appenzell bleibt seit einigen Monaten geschlossen. Wegen Überalterung mussten die letzten fünf betagten Schwestern im Frühling ins Kloster Grimmenstein nach Walzenhausen ziehen. Die dortigen Kapuzinerinnen nahmen ihre Glaubensgenossinnen auf.
Kaum besser geht es vielen andern Klöstern im Bistum St. Gallen. Jedes zweite der verbleibenden 13 Frauenklöster mit insgesamt 150 Schwestern hat ebenfalls Sorgen mit dem Nachwuchs. «Wir haben Klöster, wo es seit 30 Jahren keinen einzigen Neueintritt gab», sagt Josef Kaufmann, Beauftragter für Klöster im Bistum St. Gallen.
Ähnliches erleben Brüder und Schwestern in vielen Klöstern der Schweiz und Europas. Sie werden immer älter und sind dem harten Alltag des Klosterlebens kaum mehr gewachsen. Nachfolger, die den Dienst an Gott und den Mitmenschen übernehmen, gibt es praktisch keine.
Kaum religöses Leben Warum junge Schweizer Frauen und Männer nicht mehr ins Kloster wollen, ist im Bistum St. Gallen nicht genau bekannt. «Wir können nur Vermutungen anstellen», sagt Kaufmann und nennt verschiedene Gründe.
Heutige Familien führten kaum noch ein religiöses Leben, sagt der Experte. Junge Menschen seien deshalb im christlichen Glauben ungebildet. Wenn der Glaube nicht mehr Teil des Alltags sei, komme niemand auf die Idee, sein Leben in den Dienst Gottes zu stellen.
In früheren Jahrhunderten war es üblich, dass katholische Familien ein Kind ins Kloster schickten. Heute ist das anders, vermutet der Mitarbeiter des Bistums. Die Familien sind nicht mehr kinderreich, die Eltern wollen kein Kind an ein Kloster «verlieren».
Werbung für Klöster Klar ist, dass der Bischof für das Wohl der Kloster-Gemeinschaften in seinem Bistum und damit auch für das Nachwuchsproblem zuständig ist. «Wir nehmen das Phänomen ernst und haben verschiedene Massnahmen getroffen», sagt Kaufmann.
Eine Kommission des Bistums macht Werbung für geistliche Berufe. Im Religionsunterricht bekommen die Primarschüler Einblicke ins Klosterleben, zum Beispiel, indem sie ein Kloster besuchen oder Besuch von einer Ordensvertreterin oder einem -vertreter bekommen.
Heiligsprechung Auch mit der «Nacht der Klöster» macht das Bistum seit einigen Jahren Öffentlichkeitsarbeit. Von der Heiligsprechung von Schwester Bernarda Büttler am 12. Oktober durch den Papst in Rom verspricht sich das Bistum St. Gallen einen weiteren Werbeeffekt.
Allerdings ist die Hoffnung gering, dass die Neueintritte in die überalterten Klöster der Ostschweiz dadurch stark in die Höhe schnellen. «Wenn die Nonnen im Durchschnitt über 70 Jahre alt sind, ist es für junge Frauen schwierig, sich in die Gemeinschaft einzuleben», glaubt der Fachmann.
Nonnen aus Indien Eine effiziente Methode, die Nachwuchsprobleme zu lösen, wäre eine Verjüngung durch ausländische Ordensschwestern. Denn Glaubensgemeinschaften in Asien haben soviel Zulauf, dass die Klöster aus allen Nähten platzen. «Wir hatten kürzlich eine Anfrage aus Indien», sagt Kaufmann. Allerdings sei aus finanziellen Gründen daraus nichts Konkretes geworden.
Wenn ausländische Religionsgemeinschaften in die Schweiz expandieren wollen, stehen diese jedoch vor etlichen Hürden. Zum Beispiel fremdenpolizeiliche: «Wie unsere Erfahrungen mit Priestern zeigen, bekommen Schwestern, die nicht aus der EU kommen, kaum eine Aufenthaltsbewilligung», sagt der Kirchenrechtler.
Kulturelle Unterschiede Andere Schwierigkeit sieht Kaufmann in der Sprache und der Kultur. Wer in der Seelsorge arbeite, müsse die Menschen gut verstehen und eine ähnliche Denkweise mitbringen. Kulturelle Unterschiede würden zu Spannungen mit den Einheimischen führen, fürchtet der Bistums-Mitarbeiter.
Für die betagten Schwestern aus Appenzell war der Umzug nach Walzenhausen ein Glücksfall. Weil die andern Gemeinschaften zu verschieden seien, könne man dieses Rezept nicht auf sie anwenden, sagt Kaufmann. Aber die verlassenen Mauern des Klosters Appenzell sollen wieder mit geistlichem Leben gefüllt werden. Dafür macht sich eine neue Stiftung stark.
Geschichte lässt hoffen Ein Zaubermittel für den Erhalt des klösterlichen Lebens gebe es nicht. «Der Weg wird lang und steinig», sagt Kaufmann. Doch die Geschichte lasse hoffen: Trotz immer wieder auftretenden Schwierigkeiten konnten sich die bis zu 700 Jahre alten Klöster behaupten.
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