Fussball. Der Sportclub Brühl nimmt die Rückrunde in der 2. Liga interregional als Tabellenführer in Angriff – seit zwölf Runden mussten die Kronen nicht mehr als Verlierer vom Platz - zö.MC
Brühls Verteidiger und Captain Alex de Freitas zählt zu den Teamstützen des
Tabellenführers. (Bild: Kurt Frischknecht)
Wenn am kommenden Wochenende die Meisterschaft in der 2. Liga Interregional in die Rückrunde startet, wird der SC Brühl in der Rolle des «Gejagten» sein. Die St. Galler führen die Tabelle mit vier Punkten Vorsprung auf Verfolger Kreuzlingen an. Nach einer nicht ganz idealen Vorbereitungsphase strebt die Mannschaft von Trainer Gàbor Gerstenmaier den Gruppensieg und den Aufstieg an. Sie könnte damit ein Kapitel Vereinsgeschichte schreiben.
Seit 12 Runden musste der SC Brühl in der Meisterschaft der 2. Liga interregional nicht mehr als Verlierer vom Platz. Die einzige Niederlage gab es im Startspiel gegen den FC Seefeld Zürich am 15. August. Am kommenden Samstag (Sportplatz Neudorf, Zürich Oerlikon, 16 Uhr) möchte sich die Mannschaft des ehemaligen rumänischen Internationalen Gabor Gerstenmaier in Zürich nun für diese Niederlage revanchieren. Schliesslich gilt es, haushälterisch mit dem erarbeiteten Vier-Punktevorsprung aus der Vorrunde umzugehen.
Trotz der guten Ausgangslage spricht der Brühler Trainer nicht von einem besonderen Druck, der auf der Mannschaft laste. «Wir müssen das umgekehrt betrachten», sagt der 42-Jährige, «wir haben uns mit einer starken Vorrunde dahin gebracht, dass wir jetzt 13 Spiele lang das gejagte Team sein werden – diese Aufgabe dürfen wir befreit, mit Stolz und vor allem mit grosser Freude anpacken.»
Schwierige Vorbereitung im St. Galler Schnee
Die Vorbereitung der Kronen für die Rückrunde verlief nicht ganz optimal. Zwar konnte sich der Tabellenführer im einwöchigen Trainingslager in der Südtürkei unter professionellen Bedingungen auf besten Rasenplätzen vorbereiten, aufgrund des harten Winters fielen in St. Gallen jedoch einige Trainingseinheiten mit Ball und zwei Testspiele aus – dafür wurde umso intensiver an der Schnellkraft und an der Ausdauer gearbeitet. Gabor Gerstenmaier blickt der Rückrunde dennoch zuversichtlich entgegen: «Natürlich hätten wir gerne mehr mit dem Ball gearbeitet», sagt Gerstenmaier, «besonders im Trainingslager in der Türkei hat die Mannschaft mit hervorragendem Einsatz und einem sehr guten Teamgeist gezeigt, dass sie bereit ist.»
Einige Kaderveränderungen
Über die Winterpause gab es im Kader der Kronen einige Veränderungen: Innenverteidiger Sandro Kälin kehrt zum FC Herisau zurück. Ein Rückkehrer ist auch Veton Iseni: Nach einem Abstecher zu Herisau und zuletzt beim FC Amriswil kehrt der Ur-Brühler wieder zurück. Neu im Brühler Fanionteam ist mit Niels Flück zudem ein 18-Jähriger, der zuletzt beim FC Wil in der U-20 zum Einsatz kam. Nicht mehr im Kader figuriert Corsin Hutter, der in die Rekrutenschule muss.
Unterschiedliche Testspielresultate
Die Vorbereitungsspiele des SC Brühl lassen noch wenige Rückschlüsse über den genauen Formstand der Mannschaft zu. Zwar gab es beim Erstligisten Chur 97 einen überzeugenden 2:1-Auswärtserfolg, und auch gegen das Erstliga-Spitzenteam Rapperswil-Jona konnten die Kronen bei der 1:2-Niederlage gut mithalten. Dafür gab es gegen den Ligakonkurrenten Amriswil eine 2:3-Niederlage, weil die Mannschaft das Spiel nach einer 2:0-Führung noch unnötig aus der Hand gab. Und auch gegen die spielstarke U-20 des FC Wil musste im heftigen Schneetreiben eine 1:2-Niederlage hingenommen werden. «Wir hatten in jedem Spiel sehr gute Szenen und spielten meistens eine halbe Stunde oder eine Halbzeit lang stark», sagt Gerstenmaier. «Jetzt müssen wir noch die Konstanz finden, diese Leistung über 90 Minuten zu erbringen.»
Personell gibt es beim SC Brühl vor dem Start in die Rückrunde drei Absenzen. Pechvogel Thomas Koller hat sich bei einem Arbeitsunfall bereits zum zweiten Mal den gleichen Zehen gebrochen. Stürmer Elessio de Simone laboriert seit Wochen an einer Knieverletzung und Valmir Pontes Arantes hat eine Verletzung am Innenband im Sprunggelenk. Während Koller für mehrere Wochen ausfällt, hofft der Trainer auf die baldige Rückkehr von Pontes Arantes und De Simone.
13 Finalspiele für das grosse Ziel Nach der besten Vorrunde des SC Brühl seit vielen Jahren ist für die Mannschaft und die Vereinsleitung klar, dass in dieser Saison der Gruppensieg angestrebt werden soll. Seit es die 2. Liga interregional gibt – also seit der Saison 2000/2001 – gehört der Traditionsclub aus dem St. Galler Krontalquartier dieser Liga an. Nun hat die Mannschaft die Chance, für den SC Brühl «Geschichte zu schreiben», datiert der letzte Aufstieg in die 1. Liga doch aus dem Jahr 1988. Danach setzten sich die Kronen wieder für längere Zeit in der 1. Liga fest; bis Mitte der 1990er Jahre klopften sie insgesamt drei Mal in den Aufstiegsspielen an die Tür zur Nationalliga B, verpassten den Aufstieg aber jedes Mal knapp. Gabor Gerstenmaier weiss, dass viele Brühler Anhänger jetzt mit dem Gruppensieg in der 2. Liga interregional rechnen: «Wir haben jetzt noch 13 Finalspiele und können das Ziel aus eigener Kraft schaffen. Auch die Mannschaft weiss, dass diese Chance vielleicht nicht so schnell wiederkommt.»
SC Brühl St. Gallen 1901
Rückrunde 2009/10, 2. Liga interregional, Gruppe 5
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