Der Seefrosch breitet sich im St.Galler Rheintal bedenklich aus, meldet die regionale Biodiversitäts-Kampagne „Schatzkammer-Natur“. Die Fachleute sprechen von einer Invasion. In diesem Jahr wurde erstmals ein Seefrosch in einem Badesee bei Kriessern entdeckt. „Das St.Galler Rheintal ist damit durchgehend besiedelt“, sagt Jonas Barandun, Projektleiter von „Schatzkammer Natur“. Wo sich die von Osteuropa eingeschleppte Art breit macht, verschwinden seltene Amphibienarten wie der Laubfrosch oder die Gelbbauchunke. Aber auch dem Wasserfrosch macht der Exot den Platz streitig.
Der Seefrosch ist ein naher Verwandter des Teichfrosches und des Kleinen Wasserfrosches, die bei uns natürlich vorkommen. Die Art gelangte in den 1970-er Jahren mit Importen von Froschschenkeln aus Osteuropa in die Ostschweiz. Dabei wurden auch ausgewachsene Seefrösche in Kisten transportiert. Vermutlich entwich das eine oder andere Tier bei der Zollkontrolle. Kleine Bestände mit einzelnen Tieren überlebten zum Beispiel im Rheintal 20 Jahre lang in der Nähe von Sargans, Sennwald und St.Margrethen. Vor acht Jahren wurden für Experten überraschend neu besiedelte Lebensräume beobachtet. Das Hitzejahr 2003 half dann dem Seefrosch, sich tüchtig zu vermehren und auszubreiten. Das Tier zieht warme Standorte vor und hat sich bisher nur in Regionen unterhalb von 500 Metern Höhe verbreitet.
Naturschutz neu ausrichten
„Die Invasion des Seefrosches stellt die jahrelangen Bemühungen in Frage, seltene Amphibien und artenreiche Gewässer zu erhalten“, sagt Jonas Barandun. Eine gezielte Bekämpfung des Seefrosches sei nicht möglich, zumal er kaum vom Kleinen Wasserfrosch zu unterscheiden sei. Der Biologe und Naturschutzexperte Barandun fordert eine Neuausrichtung im Naturschutz, wenn es um die Erhaltung artenreicher Gewässer und Feuchtgebiete geht. Anstatt Teiche mit ganzjährig gleichem Wasserstand anzulegen, sind periodisch Wasser führende, seichte Flächen zu fördern. Der Seefrosch meidet nämlich seichte und kleine Gewässer mit geringem Pflanzenbewuchs. Ideal sind für ihn dagegen grosse Teiche und Kanäle. Den Winter verbringt der Seefrosch im Gegensatz zu anderen Amphibien auf dem Grund von Gewässern.
Stehende Gewässer im Winter trockenlegen Barandun empfiehlt deshalb, lokale Entwässerungen aufzuheben und naturnahe Bäche zu strukturieren oder Überflutungsflächen auszuscheiden. „Das wäre eine grosse Chance, die Artenvielfalt zu fördern, ohne gleichzeitig die Ausbreitung des Seefrosches zu begünstigen“, sagt Barandun. Gleichzeitig lasse sich der Wasserhaushalt in der Landschaft verbessern. Viele stehende Gewässer könnten im Winter trockengelegt, periodisch aufstaubare Nasswiesen als landwirtschaftliche Nutzfläche gepflegt werden. Sie dienten gleichzeitig als Lebensraum für seltene Arten. Amphibiengewässer sind gesetzlich geschützt. „Seltene Arten sind dort unbedingt zu erhalten“, sagt Jonas Barandun.
Der Seefrosch ist grösser als die einheimischen Amphibien und hält sich das ganze Jahr über weitgehend am Wasser auf. Sein Speiseplan ist vielseitig: Er ernährt sich von lebenden Tieren aller Art, darunter Amphibien und selbst Jungtiere der eigenen Art. Zu seinen Feinden zählen Raubfische, Iltisse, Ringelnattern und Störche.
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