Folgende Themen und Personen finden Sie in dieser Ausgabe des Magazins LEADER: Hans-Peter Klauser, Klaus J. Stöhlker, Josef Müller-Tschirky, Barbara Keller-Inhelder, Eliane Frei und vieles mehr. - mbMC
Zugegeben: Wir sind hin- und hergerissen. Dass es künftig auch im Thurgau nur noch eine grosse Tageszeitung geben wird und das St.Galler Tagblatt seine Vormachtstellung in der Ostschweiz damit weiter ausbaut, ist auf den ersten Blick eine unschöne Situation. Denn Konkurrenz ist immer besser für das Produkt; fehlt sie, droht eine Nivellierung des Standards nach unten. Andererseits gilt auch für die Medien: Der Markt soll spielen. Und wenn sich zwei Unternehmen einig sind, sollen sie ungeachtet des Aufschreis aus den Reihen der Politik ihr Geschäft tätigen können – auch wenn es, wie im vorliegenden Fall, ein etwas gar hemdsärmeliger Tauschhandel ist.
Bei sorgfältiger Betrachtung ist das, was die Ostschweiz Medienlandschaft – wohl als Abschluss eines seit langem anhaltenden Prozesses – vor wenigen Wochen erlebt hat, durchaus sinnvoll. Denn die Bereinigung im Bereich der gedruckten Tageszeitung schafft dort klare, stabile Verhältnisse – und lässt gleichzeitig sehr wohl Raum für die Mitbewerber. An ein täglich erscheinendes neues Printprodukt wird sich zwar kaum jemand wagen, aber das Spielfeld bleibt gross. Online-Medien, gedruckte Nischenmagazine (wie der LEADER eines ist), lokal geprägte Publikationen: Sie können sehr wohl unter dem Radar des Tagblatt-Verbundes durchfliegen und erfolgreich sein. Wer eine lohnende Zielgruppe ausmacht, ein überzeugendes Konzept aufstellt und bereit ist, zu investieren und zu riskieren, kann in der Ostschweiz weiterhin erfolgreich verlegerisch tätig sein. Mehr noch: Künftig dürften es neue Titel, ob elektronisch oder gedruckt, sogar noch leichter haben, weil die Leserschaft froh ist um Farbtupfer auf einer nun doch etwas gar grauen Leinwand.
Was hingegen kritisiert werden kann, ist die Art, wie der Deal zwischen den grossen Playern Tamedia und NZZ kommuniziert wurde. Die Reduktion von zwei auf eins ist zunächst einmal nichts anderes als der Verlust von Arbeitsplätzen, den Verlust von Meinungsvielfalt und der Verlust eines echten Benchmarkings, an dem sich die Redaktion messen und weiter verbessern kann. Das alles nun schön reden zu wollen, ist abenteuerlich. Niemand mit gesundem Menschenverstand glaubt beispielsweise ernsthaft, dass die Ostschweiz landesweit künftig mehr Beachtung erhält, weil es hier nun nur noch eine Tageszeitung gibt. Fakt ist, dass das St.Galler Tagblatt eine gut gemachte Regionalzeitung ist, über unsere regionalen Grenze hinaus aber keinerlei Beachtung findet und keine Bedeutung hat. Mit anderen Worten: Der Deal zweier privater Unternehmen ist zu akzeptieren und zu respektieren, aber die Verantwortlichen nun gewissermassen zu den Rettern der Ostschweiz zu ernennen, wäre verfehlt. Es war unter dem Strich ein Geschäftsabschluss, der offenbar beide Seiten befriedigt. Dass nun auch die lesende Bevölkerung im Thurgaz zufrieden ist, dafür müssen nun die St.Galler Zeitungsmacher sorgen – und wir unabhängigen Verleger mit unseren Nischenprodukten.
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