Bei der Gossauer Blumer-Lehmann AG dreht sich alles um die Faszination Holz. Am Anfang der Unternehmensgeschichte stand die Gründung der Sägerei Leonhard Lehmann AG im Jahr 1875. Heute wird das traditionsreiche Familienunternehmen von der fünften Generation Lehmann geführt und beschäftigt rund 110 Mitarbeiter. Es besticht durch innovative bauliche Gesamtlösungen aus Holz, vom Wohn- über den Industrie- bis zum Silobau, von der Idee über die Planung bis zur Ausführung, von Gossau über Bad Ragaz bis nach Yeoju in Südkorea.
Die Faszination, die vom Werkstoff Holz ausgeht, kann man nur schwer in Worte fassen. Am besten versucht man es anhand konkreter Projekte. Im Fall der Blumer-Lehmann AG hat man hierbei die Qual der Wahl: Da wäre unter anderem eine Holzachterbahn, die im April 2008 in einem Vergnügungspark in Südkorea eröffnet wurde. Das Gossauer Unternehmen produzierte die gesamte Unterkonstruktion der 1,6 Kilometer langen Attraktion aus Holz. 50'000 Bauteile aus Schweizer Holz wurden passgenau vorgefertigt, verladen und verschifft. «Eine technische, aber auch eine logistische Herausforderung, die von unserem Team gut gemeistert wurde», erinnert sich Katharina Lehmann, Geschäftsführerin der Blumer-Lehmann AG.
Neue Dimensionen in der Holzbautechnik erreichte die Firma mit einem Golfhaus – ebenfalls in Südkorea. Die architektonische Idee ist eine Baumstruktur, deren Baumkronen ineinander verwoben werden. Die Konstruktion besteht aus etwa viertausend zwei- und dreidimensional gebogenen Holzbauteilen, die u. a. in Gossau produziert wurden. Solche innovativen Konstruktionen werden möglich dank neuer Technologie in der dreidimensionalen Simulation und Planung, geeigneten CNC-gesteuerten Maschinen und den entsprechenden Fachpersonen.
Man muss nach diesen beiden Projekten erwähnen, dass die Blumer-Lehmann AG sehr wohl auch «normale» Einfamilienhäuser erstellt – von der Idee über die Planung bis hin zur Ausführung. «Egal, in welchem Bereich: Die Suche nach neuen Baulösungen fasziniert uns immer wieder aufs Neue, denn Holz hat hervorragende technische Eigenschaften, ist einfach in der Handhabung und lokal verfügbar», umschreibt Katharina Lehmann die Philosophie. Das Know-how im Neu- und Umbau von Wohnhäusern, im Ingenieurholzbau und im Silobau bildet die Grundlage der täglichen Arbeit.
Holzbau im Trend
Auf dem «Erlenhof» in Gossau beschäftigt man sich mit dem gesamten Kreislauf vom Rundholz bis zum fertigen Haus. Die dort ansässigen Firmen decken praktisch die gesamte Wertschöpfungskette rund um den Werkstoff ab – von der Sägerei bis hin zur Verarbeitung des Restholzes zu thermischer und elektrischer Energie. Die Blumer-Lehmann AG als ein Glied dieser Kette kann dabei bereits auf eine 135-jährige Erfahrung zurückblicken. Eine Zeitspanne, in der sich sowohl Anwendungsbereiche als auch die Bearbeitung des Holzes stark verändert haben. Nicht zuletzt deshalb ist das Material wieder im Trend. «Im Einfamilienhaus-Segment gewinnen wir Marktanteile», stellt die Geschäftsführerin fest. «Dank intelligenter Lösungen und ständig weiter entwickelter Technik breitet sich der Holzbau in der Schweiz und im angrenzenden Ausland immer weiter aus. Es entstehen energieeffiziente, schöne, dauerhafte und werthaltige Neubauten.»
Geringere Wandstärken
Letztlich ist die Wahl eines Baustoffes auch immer Geschmackssache. Sicherlich sprechen schwindende Ressourcen aber für den Einsatz von Holz. «Es ist ein nachwachsender Rohstoff. Nachhaltige Waldwirtschaft bedeutet, dass nur so viel Holz geschlagen wird, wie nachwächst», so Katharina Lehmann. Viele Bauherren, Architekten und Unternehmer würden sich daher für einen Holzbau entscheiden. «Dieser ist im Unterhalt wenig anspruchsvoll und erreicht eine unbegrenzte Lebensdauer. Der Holzbau ist heute bei den energieeffizienten Gebäuden führend», sagt die Geschäftsführerin. Moderne Konstruktionen kämen mit vergleichsweise geringen Wandstärken aus, um zeitgemässe Gebäudestandards zu erfüllen.
Notfalleinsatz
Stetige Innovationen waren es auch, die Katharina Lehmann in die heutige Position der Firma gebracht haben. «Als mein Vater Mitte der 1990er Jahre erkrankte, sprang ich quasi als Notlösung ein. Ich habe damals eigentlich nur mit einem kurzfristigen Einsatz von wenigen Jahren gerechnet.» Immer neue Projekte und Aufgaben «verlängerten» diese «Notfallübung» mittlerweile auf 15 Jahre. Die Faszination Holz hat auch die fünfte Generation Lehmann voll erwischt.
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