St.Gallen. Die im Dezember 2009 einsetzende Pause auf dem Weg zum Aufschwung hat sich im Januar 2010 fortgesetzt. In der Industrie nähert sich die Wende nur auf sehr leisen Sohlen. Dies hängt insbesondere mit dem Rückgang der Exporte zusammen, der bis zum Dezember 2009 anhielt. - pdMC
Industrie, Bauwirtschaft und Detailhandel sind skeptischer als noch Ende 2009. (Symbolbild)
Im laufenden Jahr werden die Güterausfuhren wieder ein positives Vorzeichen ausweisen. Im Bau und im Detailhandel wird in den kommenden Monaten eine Abkühlung des Konjunkturklimas erwartet.
Der erste Stimmungstest für die Ostschweizer Konjunktur im neuen Jahr fällt verhalten aus. Die befragten Unternehmen aus der Industrie, der Bauwirtschaft und dem Detailhandel blicken skeptischer in die Zukunft als Ende des letzten Jahres. Der Ostschweizer Konjunkturindex verzeichnet im Januar einen Wert von -7.6 Punkten, nachdem er im Dezember bei -2.4 und im November bei +3.3 Punkten lag. Der Grund für diesen erneuten Rückgang liegt an den Zukunftserwartungen, welche die Umfrageteilnehmer nach unten korrigiert haben. Immer mehr scheint sich zu bewahrheiten, dass der Weg aus dem tiefen Rezessionstal beschwerlich ist, und dass wir im laufenden Jahr bestenfalls eine Erholung, aber keinen Aufschwung bekommen werden.
Zwischen Angst und Hoffnung
Die konjunkturelle Grosswetterlage in der Industrie hat sich zu Beginn des Jahres 2010 wieder etwas eingetrübt. Die Kapazitätsauslastung ist mit 75.7 Prozent auf einen neuen Tiefstand gefallen und auch das Produktionsvolumen und die Ertragslage liegen unterhalb der Vorperiode. Trotz der tiefen Kapazitätsauslastung schätzen rund die Hälfte der Industrieunternehmen die vorhandenen Kapazitäten als zu gross ein und beinahe 70 Prozent beklagen sich über zu kleine Auftragsbestände im In- und Ausland. Trotz dieser beängstigenden Signale sind die Erwartungen bezüglicher der zukünftigen Entwicklung von Hoffnungen geprägt. Selbst in der Maschinen- und Textilindustrie, in welcher vielen Unternehmen das Wasser bis zum Hals steht, wird in den kommenden Monaten mit einer Entspannung gerechnet, die durch eine erhöhte Nachfrage aus dem Ausland angeführt werden soll. Auch die übrigen Industriebranchen zählen auf die Wachstumskräfte, welche durch ein Wachstum der Weltwirtschaft ausgelöst werden.
Rückfall auf 2005
Die Exporte der Ostschweiz sind im Jahr 2009 regelrecht eingebrochen und auf das Niveau von 2005 zurückgefallen. Prozentual betrug der Rückgang 17 Prozent, in Franken flossen den Exporteuren der Kantone St.Gallen , beider Appenzell und Thurgau gut 3.1 Milliarden Franken weniger in die Kassen als noch 2008. Ein wenig beruhigend wirkt, dass sich der Rückgang gegen Ende des letzten Jahres verlangsamte, wobei – im Gegensatz zum Schweizerischen Durchschnitt - im Dezember nochmals ein Minus von 4 Prozent resultierte. Die Zeichen stehen nicht schlecht, dass nun der Tiefpunkt erreicht ist und das Vorzeichen sich in Bälde ändern wird.
Leichte Abkühlung
Der Bau zeigte sich bisher konjunkturresistent, spürt nun aber auch eine gewisse Abkühlung des Konjunkturklimas. Die kühlen Temperaturen zeigen sich in der gesunkenen Kapazitätsauslastung und in einer schlechteren Beurteilung des Auftragsbestandes. Allerdings bezeichnen nach wie vor 82 Prozent der Baufirmen die Geschäftslage als gut oder befriedigend. Ein steigender Anteil befürchtet, dass sich die Abkühlung im Laufe des Jahres zu einer kalten Brise wandeln könnte, deren Kennzeichen sinkende Umsätze bei einer weiteren Erosion der Gewinnmarge sein könnten. Sucht man nach Unterschieden zwischen dem Bauhaupt- und dem Ausbaugewerbe stellt man fest, dass die aktuelle Lage im Bauhauptgewerbe zwar besser eingeschätzt wird, mit besseren Zukunftschancen rechnen aber die Vertreter des Ausbaugewerbes. Für den Wohnungsbau ist die Zuwanderung aus dem Ausland entscheidend. 2008 wanderten gut 8‘000 Personen in die Ostschweizer Kantone (SG, TG, AR, AI) ein, die etwa 4‘000 Wohnungen nachgefragt haben. 2009 dürfte der Wanderungssaldo rund 25 Prozent unter dem Vorjahr zu liegen kommen und 2010 wird die Wohnungsnachfrage aufgrund der rückläufigen Migration wiederum geringer ausfallen als 2009.
Der Konsum wird müde
Der private Konsum hat sich im 2009 als wichtige Stütze der Konjunktur erwiesen. 2010 dürfte für den privaten Konsum ein schwierigeres Jahr werden. Mehrere Gründe sprechen dafür: Erstens werden die verfügbaren Einkommen im 2010 real stagnieren und zweitens dürfte die Konsumentenstimmung unter der zunehmenden Arbeitslosigkeit leiden. Drittens war – ebenso wie für die Bauwirtschaft – die Migration eine wesentliche Stütze des Konsums. Würde der Zustrom aus dem Ausland 2010 verebben, würde das in der Detailhandelsbranche einen empfindlichen Rückschlag auslösen.
Zwar ist der Ausblick gemäss unserer Konjunkturumfrage im Allgemeinen noch von Zuversicht geprägt, bei der Einschätzung der zukünftigen Umsatzentwicklung nehmen die Detaillisten aber eine vorsichtigere Haltung ein.
Beschäftigungsabbau zu erwarten
Gemäss unserer Konjunkturumfrage ist im Industriesektor die derzeitige Anzahl an Beschäftigten nach wie vor zu hoch. In der Bauwirtschaft und im Detailhandel kann der Personalbestand in den kommenden Monaten gehalten werden. Bei Banken, Versicherungen und den übrigen Dienstleistungsbranchen darf bestenfalls mit einer bescheidenen Zunahme gerechnet werden, die aber den Abbau in der Industrie im ersten Halbjahr nicht zu kompensieren vermag. Weil das Arbeitsangebot weiter – wenn auch weniger stark – zunehmen wird, muss mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit gerechnet werden.
Die Internet-Plattform www.konjunkturumfrage.ch informiert mit Texten und Abbildungen über die Konjunkturentwicklung in den Kantonen St.Gallen und beiden Appenzell. Abrufbar sind monatlich aktualisierte Konjunkturindikatoren für die bedeutendsten Industriebranchen, die Bauwirtschaft, den Detailhandel und den Export. Träger der Plattform sind die St.Galler Kantonalbank und das Amt für Wirtschaft des Kantons St.Gallen.
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