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Do. 8. September 2011 - 10:10 Uhr
Ostschweizer Wirtschaft im Gegenwind

Die Ostschweizer Wirtschaft hat im August deutlich an Schwung verloren. Der Ostschweizer Konjunkturindex ist stark gefallen und signalisiert für die kommenden Monate eine Stagnation der Gesamtwirtschaft. Besonders betroffen von der konjunkturellen Abkühlung sind die Exportindustrie, der Detailhandel und der Tourismus. - PD/MC

Im Gegenwind: die Ostschweizer Wirtschaft hat zu kämpfen
 
Im Gegenwind: die Ostschweizer Wirtschaft hat zu kämpfen

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Deutlich optimistischer zeigen sich bisher die binnenorientierten Betriebe. Dank tiefen Zinsen profitiert das Ostschweizer Baugewerbe weiterhin von einer robusten Nachfrage nach Wohneigentum.
 
Die Angst vor einer Rückkehr der globalen Rezession ist wieder da. In den letzten Wochen haben sich die Konjunkturdaten für die USA immer negativer eingefärbt. Hinzu kamen Daten aus dem Euroraum, die ebenfalls enttäuschten. Vor allem Deutschland scheint als Konjunkturlokomotive Europas an Zugkraft zu verlieren. Auch Japan steckt nach Tsunami und Nuklearkatastrophe wieder in einer Rezession, nicht einmal zwei Jahre nach Ende der vorherigen. Die abnehmende Dynamik der Weltwirtschaft und der im August rekordstarke Schweizer Franken wirken immer stärker als Wachstumsbremse für die Ostschweizer Wirtschaft. Der Ostschweizer Konjunkturindex ist im August um 12 Zähler gefallen und steht nur noch knapp im positiven Bereich. Seit Ausbruch der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise gab es keinen solch starken Rückgang mehr. Während die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage noch in der Mehrzahl der Unternehmen zufriedenstellend ausfällt, haben vor allem die Erwartungen für die Entwicklung des geschäftlichen Umfelds in den kommenden Monaten deutlich ins Negative gedreht. Die kürzlich erfolgte Festlegung eines Euro-Mindestkurses bei 1.20 durch die Schweizerische Nationalbank, welche in den aktuellen Daten noch nicht berücksichtigt ist, dürfte allerdings für eine gewisse Entspannung der Wechselkurssituation sorgen und damit auch die Erwartungen der Unternehmen optimistischer ausfallen lassen. Für eine Normalisierung der Wechselkurssituation müsste der Schweizer Franken allerdings auf einen Kurs von über 1.30 zum Euro klettern.
 
Rauer Herbst steht bevor
Die Kapazitätsauslastung in der Ostschweizer Industrie liegt zwar immer noch auf einem guten Niveau. Allerdings hat die Produktion im August den Rückwärtsgang eingelegt und fiel gegenüber dem Vormonat tiefer aus. Auch der Auftragseingang harzt, denn die Hälfte der Unternehmen gibt an, im August weniger Aufträge erhalten zu haben als noch im Vormonat. Aufgrund der rasanten Aufwertung des Schweizer Frankens verschlechterte sich die Ertragslage der Ostschweizer Industrieunternehmen in den letzten Wochen erneut. Als Folge dieser Entwicklungen hat sich die Stimmung in der Ostschweizer Industrie deutlich eingetrübt, auch wenn nach wie vor 30 Prozent der befragten Unternehmen die Geschäftslage als gut bezeichnen. In den letzten Monaten hat aber die Zahl der Unternehmen mit Schwierigkeiten zugenommen. Vor allem kleinere Unternehmen, die stark vom Exportgeschäft abhängig sind, leiden unter der aktuellen Situation. Von grössere Unternehmen und binnenorientierten Betrieben wird die Geschäftslage deutlich besser beurteilt. Die Ostschweizer Industrie blickt skeptisch auf die Entwicklung in den kommenden sechs Monaten. Die Erwartungen an Produktion und Bestellungseingang sind gesunken und deuten auf eine weitere Abkühlung hin. Dieser trübe Ausblick wird durch zahlreiche gesamtschweizerische Erhebungen gestützt.
 
Exporte im Krebsgang
Dank einem starken Jahresstart resultiert bei den Ostschweizer Exporten in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres noch ein kleines Plus von 1.7 Prozent. Der starke Franken fordert aber zunehmend seinen Tribut, denn die Wachstumsraten wurden von Monat zu Monat kleiner und sind nun bereits das zweite Mal in Folge negativ. Auch den bisherigen Wachstumsträgern im Aussenhandel, den Exporten der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, ging im Juli die Puste aus. Weil die Importe seit Anfang Jahr deutlich stärker gewachsen sind, ging von der Handelsbilanz mit Waren ein negativer Wachstumsimpuls aus.
 
Tourismus und Konsum bereiten Sorgen

Ebenfalls negativ vom starken Franken betroffen sind der Detailhandel und der Tourismus. Die zunehmend schlechten Nachrichten aus der Weltwirtschaft drücken auf die Konsumlaune der Ostschweizer Konsumenten. Dazu kommt der harte Franken, der Einkäufe im benachbarten Euroland attraktiv macht und so zu happigen Umsatzverlusten im Ostschweizer Detailhandel führt. Auch das Ostschweizer Tourismusgewerbe leidet unter der aktuellen Situation. Die Logiernächte fielen, mit bedingt durch das nasse und kühle Wetter, im Sommerferienmonat Juli um 7.5 Prozent tiefer aus als im Vorjahresmonat. Die weiterhin tiefen Zinssätze sorgen dafür, dass wenigstens in der Bauwirtschaft weiterhin fast alle Ampeln auf grün geschaltet bleiben. Die harzige Entwicklung im Wirtschaftsbau wird durch den Tiefbau und den äusserst dynamischen Wohnbau mehr als kompensiert. Die vollen Auftragsbücher lassen auch für die kommenden Monate eine positive Umsatzentwicklung erwarten. Die hohe Nachfrage führt bei manchen Bauunternehmen sogar zu Kapazitätsengpässen. Vor allem Fach- und Führungskräfte sind momentan schwierig zu finden. Trotzdem erwarten die Marktteilnehmer weiterhin sinkende Baupreise.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.konjunkturumfrage.ch
Die Internet-Plattform www.konjunkturumfrage.ch informiert mit Texten und Abbildungen über die Konjunkturentwicklung in den Kantonen St.Gallen und beiden Appenzell. Abrufbar sind monatlich aktualisierte Konjunkturindikatoren für die bedeutendsten Industriebranchen, die Bauwirtschaft, den Detailhandel, den Export und den Arbeitsmarkt. Träger der Plattform sind die St.Galler Kantonalbank und das Amt für Wirtschaft des Kantons St.Gallen.

 
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