GOSSAU. In den Gottesdiensten der Seelsorgeeinheit Gossau wurde heute Sonntag ein persönlicher Brief von Pfarrer Niklaus Popp verlesen. Darin bekennt sich der Priester zu seiner bevorstehenden Vaterschaft und gibt gleichzeitig bekannt, dass er per September demissioniert und bereits ab Sommer in eine Auszeit geht.
- mcMC
In den anderen Kirchen der Seelsorgeeinheit haben ihn Mitarbeitende vertreten.
«Ich bin überzeugt, dass diese Mitteilung Sie fassungslos macht oder gar schockiert», schreibt der Pfarrer in seinem ausführlichen Brief an die Gläubigen. Das könne er sehr gut nachfühlen. Frühzeitig hatte er Bischof Markus Büchel über seine bevorstehende Vaterschaft informiert. Er habe dabei Scham und grosse Verzweiflung empfunden.
Bischof Markus bat seinen Mitarbeiter umgehend zu sich, doch nicht um ihn zu verurteilen, sondern um ihn aufzurichten und für die Zukunft zu ermutigen. «Dafür bin ich meinem Bischof sehr dankbar», betont Niklaus Popp.
Bekenntnis zum Kind
In Absprache mit dem Bischof und den Verantwortlichen in den Pfarreien wurden nun alle Gottesdienstbesuchenden informiert. Niklaus Popp bekennt sich klar zu seinem Kind. Er möchte über diese Vaterschaft offen kommunizieren. Die Mutter hat er vor über sechs Jahren kennengelernt.
«Uns beiden war bewusst, dass ich Priester bin und Priester bleiben möchte», schreibt er. «Ich weiss, dass wir uns nicht hätten so nahe kommen dürfen». Jetzt aber zurückschauen und sich in Vorwürfen verlieren, führe nicht weiter. Niklaus Popp ist allen dankbar, die gerade jetzt auch zu ihm halten und ihn und die werdende Mutter nicht verurteilen.
Auszeit
Für Niklaus Popp ist noch offen, wie es beruflich und privat weitergehen wird. Alle Fragen, die eine allfällige Partnerschaft oder das Priestersein betreffen, möchte er in Ruhe zusammen mit der Mutter des Kindes und den Verantwortlichen im Bistum klären. Vorgesehen ist, dass er im September 2011 offiziell als Pfarrer der Seelsorgeeinheit Gossau Abschied nimmt und bereits ab Sommer eine längere Auszeit nimmt.
Bis dahin wird Niklaus Popp der Seelsorgeeinheit als Priester und Pfarrer zur Verfügung stehen. Er bittet im Brief darum, seine Demission und die Vaterschaft nicht als Anlass zu nehmen, über die Kirche böse zu werden oder ihr gar den Rücken zu kehren. «Für mich bleiben Glaube und Kirche zentral und wichtig, und ich möchte darin leben und sie – wie auch immer – auch in Zukunft mittragen».
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