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Di. 6. September 2011 - 10:19 Uhr
St.Galler Networking-Tag 2011: „Ich bin ich“

Networken um des Networken Willens sei fast schon anstössig – da waren sich die Referierenden des öffentlichen Networkings-Tags der FHS Alumni einig. Zum Motto „Second Identity“ gab es verschiedene Meinungen: Man pries das Universalgenie, feierte sich als Multitalent oder meinte – wie alt Bundesrätin Ruth Metzler – ganz simpel: „Ich bin ich!“ - PD/MC

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„Warum kann man nach einer Veranstaltung nicht mehr einfach gemütlich beisammen sein? Heute muss es offenbar ein Networking-Apéro sein“, begann alt Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold ihr Hauptreferat am Networking-Tag der FHS Alumni. Erfolgreiche Netzwerker gaben dort am vergangenen Freitag ihre Rezepte preis in Sachen Beziehungspflege. Sie könne das Modewort „Networking“ nicht mehr hören, sagte die heutige Beraterin Metzler.
 
Networking – ein Unwort?
 
„Es kommt auf das Interesse an Menschen an, statt sich selber ins beste Licht zu rücken“, fand Metzler. Einfach Visitenkarten zu tauschen und Cüpli zu trinken, sei nichts Nachhaltiges. „Gute Kontakte entstehen durch gemeinsame Erfahrungen und Erlebnisse – aufgrund derer man sich auch aufeinander verlassen kann.“ Zudem soll man sich nicht blenden lassen. Menschen, die wirklich gute Kontakte pflegten, hätten kein „Name dropping“ nötig. Das sei einer ihrer Erfolgsfaktoren gewesen, als sie Bundesrätin wurde: „Mein Netzwerk war unbekannt“.
 
Aufs Veranstaltungsmotto „Second Identity“ angesprochen riet Metzler, man solle zwischen der Person und seiner Funktion unterscheiden. „Hohe Saläre können dazu führen, dass die Leute denken, sie seien es wirklich wert – dabei geht es um die Funktion.“ Sie sei zudem stets sich selber geblieben. „Ich habe nicht zwei Identitäten – ich bin ich.“ 
 
Meiers Fledermaus-Prinzip
 
Als Moderatorin Stéphanie Berger den Bankiers-Sprössling und Yello-Gründer, Dieter Meier („Geld ist unwichtig“) im Interview Bescheidenheit attestierte, meinte dieser: „Bescheidenheit ist nur eine raffiniertere Form der Eitelkeit.“ In der Tat zog Meier alle 500 Anwesenden mit der gekonnt-geschickten Selbstinszenierung eines Stars von Weltformat in den Bann. Mit kosmopolitischen Anekdoten, philosophischen Einwürfen und Mythen um seine Person skizzierte der Techno-Dandy, der kein einziges Instrument beherrscht, sein eigenes Bild als Multitalent. Damit kam er dem eingangs von FHS-Rektor Sebastian Wörwag bewunderten Universalgenie Leibniz wohl am nächsten – und toppte das Motto „Second Identity“ in jeder Hinsicht: als Musiker, Weinbauer, Rancher, Unternehmer, Gastronom, Filmemacher usw. 
 
„Networking – kalt und berechnend – hat etwas zweifelhaftes“, war sich Meier mit Ruth Metzler einig. Netzwerke entstünden aufgrund von Inhalten oder Menschen mit gemeinsamen Interessen und nicht aus dem Bedürfnis heraus, ein Netzwerk zu erschaffen, erklärte Meier. Er glaube, die richtigen Menschen, die sich etwas zu sagen hätten, fänden auch zu einander, respektive umgekehrt. „Das ist das Fledermaus-Prinzip: Dank einer Art Ortungssystem weiss man, wo man nicht reinfliegen soll.“
 
Keine Krise in St. Moritz
 
Er wisse genau, wer wann ankommt oder das Hotel wieder verlässt, sagte „Hotelier of the World“, Hans Wiedemann, Direktor des Badrutt’s Palace in St.Moritz. „Und dann stehe ich an der Türe.“ Beim Netzwerken gelte die Regel: „Erst geben, dann nehmen.“ In St. Moritz spreche man zudem besser nicht über Krisen. „Wer 150 Millionen verloren hat, will, dass wir helfen, dass er es nach dem Aufenthalt wieder zurück schafft in diese Krise.“ In der Zwischensaison reise er in der ganzen Welt herum, besuche Stammgäste, bedanke sich. Das müsse von Herzen kommen. „Wer erfolgreich netzwerken will, muss zudem angstfrei und offen auf Leute zugehen können.“
 
Persönlichkeit ausleben
 
Die weiteren Referenten beleuchteten das Thema „Second Identity – mein anderes ich“ aus verschiedenen Perspektiven. Emil Herzog, ehemaliger Manager und Kabarettist, verriet, weshalb es nie zu spät ist, auf die innere Stimme zu hören. Peter Hogenkamp, der Schweizer Experte in Sachen Web und Social Media, erklärt, wie man seine (multiple) Persönlichkeit in die modernen Medien bringt. Und der ehemalige Fanziskaner-Mönch Beno Kehl erzählte von der Zeit, als er seinen Orden verliess, um dem Ruf der Liebe zu folgen.
 
Zum Schluss gab Sigmar Willi, OK-Präsident des Networking-Tags der FHS Alumni, traditionell das Motto fürs nächste Jahr bekannt: Hypocalypse now! Man darf gespannt sein, welche Referentinnen und Referenten er dafür gewinnen kann.

 
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