Von der Ein-Mann-Firma zur Unternehmung mit 52 Mitarbeitern: Die Fust AG, Schreinerei und Möbelhaus in Wil, ist in den vergangenen 13 Jahren stark gewachsen. Geschäftsleiter Markus Fust gesteht, dass man vom Erfolg überrascht wurde. Denn gesucht hat er das rasante Wachstum nicht. - mbMC
«Das war so nicht geplant», sagt Markus Fust, auf die Entwicklung seines Unternehmens angesprochen. Und man glaubt es ihm ohne Weiteres. Denn wenn es einen Begriff gibt, der den Geschäftsführer der Fust AG am besten beschreibt, ist es «Zurückhaltung». Er spricht leise und überlegt. Sich selbst stellt er nur ungern ins Zentrum. Viel lieber hat er es, wenn der Fokus auf die Mitarbeiter und die Produkte gelegt wird. Denn diese beiden Bereiche seien es, die das Unternehmen zu dem gemacht hätten, was es heute ist. Damit ist Fust dann aber doch etwas zu bescheiden. Denn immerhin war er es, der im Herbst 1997 den mutigen Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hat. Den Erfolg, der sich schon nach kürzester Zeit einstellte, hätte er sich nicht erhofft. Er sei mit dem Grundsatz an die Arbeit herangetreten, den Kunden mit Pflichtbewusstsein und Dienstbereitschaft zu begeistern.
Gepaart mit der entsprechenden Produktqualität und Handwerkskunst, wurde Fust rasch zu einem interessanten Anbieter für Personen, die Wert auf Design und Funktionalität legten. Die Anfragen häuften sich und schon sah sich der Jungunternehmer «gezwungen», einen ersten Mitarbeiter einzustellen. Damit wurde gewissermassen die Wachstumsspirale eröffnet. Denn im folgenden Jahrzehnt flachte die Kurve der Nachfrage eigentlich niemals ab. Fust gelang es, eine immer breitere Kundschaft von den Angeboten aus der Wiler Schreinerei zu überzeugen. «Einen riesigen Sprung haben wir niemals gemacht. Es war ein kontinuierliches Wachstum, das sich einfach so ergeben hat», erklärt Markus Fust. So sei man denn auch vor wenigen Jahren im bestehenden Gebäude an der St.Gallerstrasse an die Grenzen gestossen. Die Produktion nahm immer mehr Fläche ein, und beim Ausstellungsbereich wollte man keine Abstriche machen. Die Fust AG drohte vom eigenen Wachstum «erdrückt» zu werden. Anfängliche Pläne für einen Neubau wurden verworfen, als Markus Fust das Angebot zur Übernahme einer örtlichen Schreinerei erhielt. Schliesslich wurde diese Firma vor zwei Jahren gekauft und der Mitarbeiterstamm integriert. Das Platzproblem war gelöst, der Betrieb erneut angewachsen.
Farbe bekennen
Wenn man die ganze Entwicklung in wenigen Sätzen schildert, tönt es nach einem reibungslosen Ablauf. Ganz so sei es aber nicht gewesen, stellt Fust klar. Auch er habe, wie wohl jeder andere Unternehmer auch, Hochs und Tiefs erlebt, musste schwere Entscheidungen fällen und habe sich das eine oder andere Mal mit Problemen herumgequält. Letztlich führt er den Erfolg auf die einfache Formel «Fleiss, Ehrgeiz und Glück». Und: «Wir haben immer wieder die richtigen Mitarbeiter gefunden, Leute, die an das Unternehmen glauben und geholfen haben, es aufzubauen. Sie alle haben die Geschichte ebenso mitgeprägt», führt Fust aus. All das hätte zur heutigen Positionierung geführt. Wo aber liegt diese? Auch für die Beantwortung dieser Frage benötigt der Geschäftsführer nicht viele Worte. Die Schlichtheit der Produkte mache es aus. Reduziert auf Weniges seien sie, gradlinig und ohne Effekthascherei. Das habe sich schon wenige Jahre nach dem Start so entwickelt. «Anfangs haben wir eigentlich noch alles gemacht, was die Kunden verlangt haben», erinnert sich Fust. Irgendwann sei dann aber der Zeitpunkt gekommen, Farbe zu bekennen. Und in dieser Phase habe er sich intensiv damit auseinandergesetzt, wonach effektiv gesucht wird, wohin sich die Trends entwickeln.
Funktion und Design waren und sind die wesentlichen Punkte. Genau in diesem Bereich hat sich die Fust AG in der Region Fürstenland einen Namen gemacht. Oder wie es Fust ausdrückt: «Material-Mix ist out. Schlichtheit ist angesagt.» Diese aber verlangt umso mehr nach einer professionellen Hand. Es soll weggelassen werden, was möglich ist. «Die Kunst liegt aber genau darin, auf das Richtige und nicht auf das Falsche zu verzichten», erklärt Markus Fust. «Man sagt wohl, dass sich über Geschmack streiten lässt. Aber ich bin mir da nicht so sicher.» Es verhalte sich nämlich mit der Architektur genau gleich wie in der Musik: Es können nicht wahlweise irgendwelche Töne gespielt werden, um einen stimmigen Klang zu erhalten. «Entweder etwas passt zusammen oder nicht», führt Fust aus. «Und es gibt Todsünden im Designbereich, die man nicht begehen darf.»
Als Gesetz gelte beispielsweise: Je weniger verschiedene Materialien, desto besser. Wer diese Botschaft befolgt, kann mit einfachen Mitteln den bestehenden Wohnraum noch attraktiver gestalten. «Weniger ist mehr. Wer weniger, dafür qualitativ bessere Einrichtungsgegenstände wählt, fährt besser. Und setzen Sie Akzente mit durchdachten, kreativen LED-Lichtlösungen. Geschickt integriert in oder hinter Möbeln. Das schafft Atmosphäre», rät Fust.
Preiswerte Qualität
An diese Richtlinien hält sich Markus Fust bei allen Produkten, die das Unternehmen verlassen, seien es Schränke, Küchen, Badezimmermöbel oder Saunaeinbauten. Letztere sind die jüngsten «Kinder» der Fust AG und aufgrund von Eigeninteresse entstanden. «Ich selber wollte mir zuhause vor vier Jahren eine Sauna einbauen und war enttäuscht, als ich auf dem Markt keine attraktiven Angebote finden konnte», sagt Fust. So habe er in seinem Unternehmen kurzerhand selber eines erschaffen.
Ähnlich habe man auch die Küchen ins Sortiment aufgenommen, denn viele Kunden verlangen nach einem umfassenden Angebot aus einer Hand. Hinzu komme, dass Küchen mittlerweile in der Regel offen konzipiert werden, der Übergang zum Wohnbereich somit fliessend wird. Eine übergeordnete Planung macht auch hier durchaus Sinn, wenn man eine Ausgewogenheit, eine einheitliche Linie erreichen will. Muss man dafür zwingend tiefer in die Taschen greifen? Markus Fust verneint: «Absolut saubere Arbeiten sind die Grundvoraussetzung allen Schaffens. Doch genauso wichtig ist dem Schreinermeister, die Preise stets so tief wie möglich zu halten. Denn die Kunden sind gut informiert und wissen, dass gute Qualität auch preiswert sein kann.»
Zu den drei unentbehrlichen Grundpflichten «Qualität, Termintreue und preiswerte Lösungen» kommen hinzu: Freundlichkeit, ganzheitliche Beratung sowie eine partnerschaftliche auf Vertrauen basierende Zusammenarbeit. Das sei es, was ihn am Handwerk nach wie vor begeistere, erklärt Fust. «An diesen Grundsätzen hat sich bei uns niemals etwas verändert. Was allerdings stattfand, war eine erhebliche Leistungssteigerung. Unser Handwerk wird heute unterstützt durch sehr präzise Hochleistungsmaschinen und -anlagen. Genauere und preiswertere Produkte sind die positive Folge davon.» Und in solche Geräte will die Fust AG auch in Zukunft investieren, um dereinst mit dem bestehenden Personal noch mehr Leistungen erbringen zu können. Denn eines ist für Markus Fust heute klar: Bei der Anzahl Mitarbeiter hat man einen Stand erreicht, der nicht mehr erhöht werden soll. Ein solches Wachstum, wie es in der Vergangenheit der Fall war, strebt er für die Zukunft – zumindest in personeller Hinsicht – nicht an.
Zum Unternehmen
Unter einfachen Bedingungen gründete Markus Fust 1997 eine Schreinerei als Ein-Mann-Betrieb. Heute beschäftigt die Fust AG 36 qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 16 Lehrlinge und stellt neben Schränken, Möbeln und Türen auch Küchen, Bäder und Saunaeinbauten her. Um das Produktangebot optimal abzurunden, wurde zusätzlich das Möbelgeschäft «Fust Wohnen» gegründet. Das Fachgeschäft verkauft neben Polstermöbeln und Vorhängen auch Teppichen und Leuchten.
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