Trogen/AR. Der in Trogen wohnhafte Musiker, Komponist und Modell-Segelflugzeugbauer Frédéric Fischer präsentiert am Freitag in Freising (nahe München) zusammen mit dem international bekannten Chor Collegium vocale Frisingae die Uraufführung seiner „Fliegerkomposition“, in der die Erfahrungen, Erlebnisse sowie Gefühle eines Piloten während eines Segelfluges beschrieben werden. - Bruno TurchetMC
Frédéric Fischer, Komponist, Musiklehrer und Segelflugliebhaber
Im Appenzellerhaus, Oberdorf 12 in Trogen, vermischen sich seine Welten.
Nun ist es vollbracht. Rechtzeitig zum 100-jährigen Jubiläum der Luftfahrt liegt sie vor. Die Rede ist von der dreisätzigen Sinfonie namens „Del Voloa Vela Con Ode A Pavullo“. Während rund zwei Jahren arbeitete der in Trogen wohnhafte Musiklehrer und Modellflugbauer Frédéric Fischer an seiner Komposition. Den singenden Part übernimmt an der Uraufführung der Freisinger Chor Collegium vocale Frisingae unter der Leitung des München Musikpädagogen und Dirigenten Ewald Reder. Zu Letzterem pflegt Fischer seit Jahren ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Deshalb lag auch schnell auf der Hand, dass aus Kostengründen die Uraufführung im bayerischen Freising (nahe München) und nicht in der Schweiz uraufgeführt wird. „Es ist ein steiniger und harter Weg, Veranstalter und Sponsoren zu finden, die bereit sind ein Konzert oder Uraufführung zu finanzieren“, erklärt Fischer. Der bayerische Chor aus Freising war in der Ostschweiz, insbesondere im Appenzellerland, bereits einige Male zu Gast und überzeugte durch das überdurchschnittlich hohe Gesangspotenzial.
Doch wie kommt ein Musiker und Komponist dazu, eine solch dreisätzige Sinfonie zu komponieren? Frédéric Fischer dazu: „Ich fliege gar nicht gern, vor allem nicht in einem Segelflugzeug, denn da wird mir schlecht“, erklärt der Musiker lachend. Schon als Junge keimte in ihm die Liebe zur Fliegerei. „Nicht nur Segelflugzeuge, besonders auch der majestätische Gleitflug der Vögel interessieren mich. Es ist für mich das Höchste der Gefühle, beispielsweise einem Milan zuzuschauen, wie er sich lautlos, ohne einen Flügelschlag, vom Hangwind oder von einer Thermikblase hoch tragen lässt.“
15 Jahre lang hat sich der Trogener Frédéric Fischer mit dem Leben von Luigi Teichfuss, einem der ersten italienischen Segelflugkonstrukteure beschäftigt. Er konnte einen Verwandten von ihm ausfindig machen, dessen Vertrauen er erst über Jahre hinweg gewinnen musste, bevor er Zugang zu den geretteten Originalbauplänen der Segelflugzeuge erhielt. Seine Forschungsergebnisse stellte er der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung. Mit seinem Freund Vincenzo Pedrelli gehört er zu den Initiatoren der regelmässigen Luigi Teichfuss-Oldtimertreffen in Pavullo.
Die Sinfonie „Del Voloa Vela Con Ode A Pavullo E Teichmann“, ist eine Hommage an einen der grossen Pioniere der Segelfluggeschichte, L. Teichmann, und an einen der Orte, die heute noch für die Fliegerei eine legendenhafte Bedeutung besitzt: Pavullo/Italien, nördlich von Modena gelegen. Der Jugendkammerchor Collegium vocale Frisingae ist besonders stolz darauf, auch diesmal wieder mit dieser Uraufführung betraut worden zu sein. Weiter Aufführungen sind im Oktober in Pavullo (Italien), Luzern, sowie in der restaurierten Flugwerft in Oberschleissheim, im März 2011, verbunden mit einer großen Flugschau, geplant. Am Karfreitag ist zudem in Speicher (AR) ein weiterer Auftritt, ebenfalls mit dem Collegium vocale Frisingae in der evangelischen Kirche geplant. Zugleich ist dieses Konzert auch eine Hommage an einen grossen Freisinger Bürger, ohne den die Geschichte der Fliegerei sicherlich anders verlaufen wäre: Ludwig Prandtl (1875-1953). Der gebürtige Freisinger wurde zum Pionier der Aerodynamik, auf ihn geht die Prandtl-Zahl zurück. Er wurde später Leiter der Aerodynamischen Versuchsanstalt Göttingen und Direktor des Kaiser- Wilhelm- Instituts für Strömungsforschung. Somit schliesst sich der Kreis und eine Uraufführung am Geburtsort eines der bahnbrechenden Pioniere der Fluggeschichte scheint sinnvoll.
Der in Trogen lebende Kantonsschul-Musiklehrer und Komponist Frédéric Fischer befasst sich seit Jahren mit der Geschichte des Segelflugs, baut außerhalb seiner Kompositionstätigkeiten, akribisch Modelle diverser Segelflugzeuge nach und betreibt in Trogen auch ein kleines Museum für die Freunde des Segelflugs. Über die Beschäftigung mit Werk und Person von Luigi Teichfuss, die auch in Pavullo eine Renaissance an den großen Sohn des Ortes auslöste, stiess Fischer auch auf die Person sowie das Werk von Ludwig Prandtl. Der langjährige Kontakt des Jugendkammerchores Freising zu dem Komponisten- der Chor führte in den letzten Jahren zahlreiche Werke Fischers ur auf, liess in ihm die Idee reifen, diese Komposition in Freising zum ersten Mal erklingen zu lassen. Den anspruchsvollen Klavierpart wird Frédéric Fischer selbst übernehmen, die Gesamtleitung liegt in den Händen des Dirigenten und Rachmaninov-Biografen Ewald Reder.
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