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Mo. 14. Juni 2010 - 13:18 Uhr
«Von da an war alles neu, hektisch, surreal»

SG. Im Gespräch erklärt die amtierende Miss Schweiz Linda Fäh, wann sie nach der Wahl die Bodenhaftung wieder gefunden hat, wie sie mit Kritiken umgeht und weshalb sie Interviews wie dieses besonders schätzt. - mbMC

Miss Schweiz Linda Fäh: «Wer sich anmeldet, hat auch die Hoffnung, es zu schaffen»
 
Miss Schweiz Linda Fäh: «Wer sich anmeldet, hat auch die Hoffnung, es zu schaffen»

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Im Zusammenhang:
Linda Fäh, ganz ehrlich: Haben Sie solche Interviews mittlerweile nicht langsam satt?
Ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Ich schätze es, wenn ich mich in einer Zeitung oder in einem Magazin auch einmal ausführlicher äussern kann. Nicht selten ist es so, dass mir an einem Anlass ein Mikrofon entgegengestreckt wird und ich nur zehn Sekunden für ein Statement habe. Und nun, einige Monate nach der Wahl, habe ich auch deutlich mehr zu erzählen.

Wie gehen Sie mit dem permanenten Rampenlicht um? Sie stehen ja quasi unter Dauerbeobachtung.
Ich werde viel gefragt, ob ich denn auf der Strasse oder im Ausgang nicht ständig angesprochen werde. Aber so extrem ist das gar nicht. Wir Schweizerinnen und Schweizer sind ja doch ein eher zurückhaltendes Volk. Abgesehen davon freut es mich, wenn ich mit Leuten kommunizieren kann. Dieser Austausch, der Status einer öffentlichen Person, gehört zu diesem Titel. Dessen ist man sich schon als Kandidatin bewusst. Und damit habe ich überhaupt keine Probleme. Ich bin noch sehr jung und geniesse es, erkannt zu werden. Auch meine Privatsphäre kommt nicht zu kurz. Ich habe durchaus noch einige Momente für mich und mein Umfeld.

Aber gerade wenn man jung ist, möchte man sich doch auch ausleben. Haben Sie nicht das Gefühl, etwas zu verpassen?
Als Miss Schweiz erlebe ich sehr viel, wozu ich sonst niemals die Chance gehabt hätte. Das sind wahnsinnig gute Erfahrungen, die ich sammeln kann. Ich bin ja praktisch das ganze Jahr alleine unterwegs, bereise fremde Länder und lerne neue Menschen kennen. Ich habe das Gefühl, dadurch erwachsener und reifer geworden zu sein. Ebenso steigern solche Herausforderungen das Selbstvertrauen. Das alles wird mir ganz bestimmt auf meinem weiteren beruflichen und privaten Weg zugutekommen – auch über das Amtsjahr hinaus. Ich sehe also eher die Vorteile, die der Titel mit sich bringt. Mit Freunden treffe ich mich noch genauso wie vorher. Durch die vielen Aufträge ist das zwar nicht mehr jedes Wochenende möglich. Aber wenn wir in den Ausgang gehen, bin ich einfach die 22-Jährige, die das geniesst.

Eine Miss Schweiz ist für Leserkommentare auf Onlinezeitungen ein gefundenes Fressen. Ihr Einkommen wird diskutiert, Ihre Äusserungen zu Stress usw. Ärgert man sich darüber?
Es gibt sicherlich Momente, in denen einen Artikel oder Kommentare ärgern. Ganze einfach, weil sich nicht der Wahrheit entsprechen. Es gibt Personen, die mich nicht mögen, die finden, dass ich die falsche Wahl gewesen sei. Das ist völlig normal. Ich versuche, solche Kommentare nicht zu beachten. Die positiven Feedbacks überragen die negativen bei Weitem. Zum Glück. Sonst würde man ein solches Jahr wohl kaum durchstehen.

Eine Miss ist letztlich auch immer Geschmackssache.
Natürlich. Aber mit den positiven Feedbacks meinte ich nicht unbedingt nur Komplimente für mein Äusseres, sondern für meine Art und Weise, dass man mit mir reden könne und ich nicht unnahbar sei.

Benötigt denn eine Miss Redegewandtheit? Steht nicht das Erscheinungsbild im Zentrum?
Ich glaube nicht, dass man mich nur gewählt hat, um auf der Bühne hübsch auszusehen. Alle 16 Kandidatinnen waren beziehungsweise sind schön. Jede hat aber darüber hinaus noch weitere Qualitäten. Wie man sich verhält, präsentiert und äussert, ist meines Erachtens letztlich ausschlaggebend. Die Zuschauer mochten wohl meine Art, ich war ihnen sympathisch. Sonst hätten sie nicht für mich angerufen. Alleine mit den Stimmen meiner Familie und meines Wohnortes hätte ich nicht gewinnen können. Solche Gespräche wie dieses braucht es also durchaus auch, damit man sieht, wer der Mensch hinter dem Titel «Miss Schweiz» ist. Denn um den Menschen geht es doch letztlich.

Sie steuern bereits auf die letzten Monate des Amtsjahres zu. Hat das Interesse an Ihrer Person nun schon markant abgenommen?
Die Hysterie vom Anfang ist nicht mehr vorhanden. Und das ist auch gut so: In den ersten Wochen wurde jeder Schritt von mir verfolgt. Die Medien begleiteten mich von Termin zu Termin. Aber auch jetzt kommen noch viele Anfragen von Journalisten. Mittlerweile habe ich ja auch etwas zu erzählen.

Zum Beispiel?
Was ich in den ersten Monaten alles erlebt habe. Am Anfang konnte ich ja nur über meine Gefühle nach der Wahl und über meine Erwartungen sprechen. Wahnsinnig interessant war das nicht. Mittlerweile habe ich aber so viel erlebt, dass ich es selber kaum realisieren kann. Gerade in den ersten drei Monaten war es nicht selten, dass pro Tag vier bis fünf Termine anstanden. Spontan könnte ich Ihnen nun wohl kaum die Hälfte aufzählen. Ich müsste meinen Terminplaner durchforsten, um zu sehen, was eigentlich alles war.

Neben der Erfahrung zahle es sich auch finanziell aus, konnte man kürzlich lesen. Sie könnten die Miss werden, die während des Amtsjahrs am meisten verdient hat. Planen Sie schon die Zeit nach der «Miss Schweiz»?
Die Arbeit gefällt mir sehr gut, und ich würde gerne auch nach diesem Jahr noch Modeljobs ausführen. Aber im Moment mache ich mir darüber noch keine grossen Gedanken oder schmiede konkrete Pläne. Vielleicht führt mich der Weg auch in Richtung Moderation oder Gesang. Schwer zu sagen. Ich lasse das einfach auf mich zukommen.

Zurück auf den ursprünglichen Job als Bankangestellte wäre keine Option?
Doch, doch. Alles ist möglich. Auch ein Studium wäre denkbar. Aber ich bin noch jung, könnte also auch noch in vier, fünf Jahren einen solchen Weg einschlagen. Mit der Wahl zur Miss Schweiz passierte im Herbst 2009 etwas, womit ich nicht gerechnet habe. Seither ist nichts mehr so konkret wie vorher.

Haben Sie nicht an den Sieg geglaubt?
Die Teilnahme an der Miss-Schweiz-Wahl war schon immer ein Traum von mir. Ich habe mich intensiv damit auseinandergesetzt. Und ehrlich: Wer sich anmeldet, hat auch die Hoffnung, es zu schaffen. Das war bei mir genauso. Ich habe vieles dafür getan, mein Bestes gegeben. Irgendwann während der ganzen Vorbereitungen verliert man aber förmlich die Übersicht. Man ist in einer anderen Welt und überlegt sich nicht mehr, was wäre wenn. Ich habe auch gar nicht realisiert, dass mich im Fernsehen die halbe Schweiz sieht. Für solche Gedanken hat man keinen Platz mehr.

Und wann gewinnt man die Bodenhaftung wieder?
Sicher nicht während der ersten drei Monate. Mit dem Moment, wo sie einem die Krone aufsetzen, wird man quasi ins kalte Wasser geworfen. Von da an ist alles neu, hektisch, surreal. Ist man nicht an einem Termin, bereitet man den nächsten vor. Ruhe kehrte dann an Weihnachten ein. Zu jenem Zeitpunkt realisierte ich, was mit mir geschehen ist.

Was mich überrascht hat: Sie kamen alleine zu diesem Interviewtermin. Wo ist die Unterstützung?
Während der ersten ein, zwei Wochen begleitete mich Karina Berger tagtäglich. Ich übernachtete sogar bei ihr. Sie gab mir Tipps und erklärte mir alles. Seither reise ich aber alleine um die halbe Welt. Da steht man dann nicht mehr mit Kollegen, dem Freund oder der Familie am Flughafen, sondern alleine mit sieben Koffern. Aber an Unterstützung durch die Organisatoren fehlt es mir nicht. Sie vereinbaren sämtliche Termine, organisieren die Treffen und stehen mir bei Fragen zur Seite.

Dauernd unter Beobachtung, viel Stress, wenig Privatleben: Haben Sie von keiner Ex-Miss gehört, dass der Preis, den man für diesen Titel zahlt, zu hoch sei?
Jene, mit denen ich bisher gesprochen habe, sagten alle, sie hätten davon profitiert. Es steht einem ja auch frei, welchen Weg man nach dem Amtsjahr einschlägt. Einige der Ex-Missen sind nach wie vor im Rampenlicht, andere haben sich zurückgezogen.



Zur Person
Ende September 2009 wurde Linda Fäh aus Benken zur schönsten Schweizerin gewählt. Nur zwei Jahre nach der Wahl von Amanda Ammann holte die 22-jährige Bankangestellte die Krone damit erneut in den Kanton St.Gallen. Die aktuelle Miss Schweiz ist sei mehreren Jahren in einer festen Beziehung und bezeichnet Gesang als eine ihrer grössten Leidenschaften.



 
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