Bemerkenswerte Erkenntnisse des LGT Private Banking Reports: Vermögende Privatkunden möchten sich künftig aktiver in der Anlagestrategie einbringen. Dies ist zwar gut so, fordert die Berater im Umgang mit dem Kunden aber umso mehr. - mbMC
Gerade für das Private Banking ist es das erklärte Ziel, die Kunden zu begeistern.
Die gute Nachricht vorweg: Private Banking Kunden fühlen sich gut informiert und selbstbewusst. Dies geht aus einer Befragung von 332 vermögenden Privatkunden in der Schweiz (frei verfügbares Vermögen: mehr als 900'000 CHF), Österreich und Deutschland hervor, die die LGT mit Professor Teodoro Cocca von der Universität Linz im Frühjahr 2010 durchgeführt hatte. 60 Prozent der Befragten gaben an, ein gutes oder sehr gutes Wissen in Sachen Geldanlage zu besitzen. Bei Retail-Kunden kommt man bei dieser Frage auf Zustimmungswerte von lediglich 32 Prozent. Viele der selbstbewussten Private Banking Kunden wollen sich daher selbst aktiv um die eigene Kapitalanlage zu kümmern. Gut die Hälfte trifft Anlageentscheidungen eigenständig. 46 Prozent tun dies zusammen mit anderen oder ihrem Anlageberater. Die Banken können sich über diese selbstbewussten und engagierten Kunden freuen. Denn gerade im Private Banking bedarf es der Informationsbereitschaft und der Beteiligung des Kunden, um die umfassende Planung und Strukturierung komplexer Vermögensverhältnisse individuell gewährleisten zu können. Andererseits stellt dies aber auch hohe Anforderungen an die Kommunikation und Transparenz in der Beratung.
Trotz der aktiven Beteiligung und des Selbstvertrauens der Kunden hat sich gezeigt, dass professionellen Beratung durch die Bank wichtig bleibt. Denn bei der Abstimmung der Asset Allocation auf das Risikoprofil, ein elementarer Baustein einer erfolgreichen Kapitalanlage, offenbaren sich beispielsweise Defizite. Die Vermögensaufteilung vieler vermögender Privatkunden erscheint eher zufällig und intuitiv, was im Rahmen einer umfassenden Beratung behoben werden kann.
Kundenbedürfnisse erfüllen
Wie aber möchte der Kunde betreut werden, um nicht nur zufrieden sondern auch begeistert zu sein? Auch auf diese Frage lieferte das umfassende Datenmaterial der Studie Antworten. Zunächst lässt sich feststellen, dass die Begeisterungs- und Zufriedenheitswerte aber auch die Kundenbindung bei Privatbanken trotz der Finanzkrise deutlich höher sind als bei anderen Bankengruppen. Und das, obwohl bei Privatbanken die Reputation einer der wichtigsten Faktoren für die Kundenbindung ist. Ein Faktor, der während der Finanzkrise durch den Vertrauensverlust stark bedroht war und von der Bank nicht beeinflusst werden konnte. Durch eine angemessene und transparente Kommunikation während der Krise konnten vor allem Privatbanken die Beziehung zum Kunden trotzdem stärken.
Kunden begeistern
Um seine Kunden zu begeistern bedarf es allerdings noch etwas mehr: Vor allem in schwierigen Jahren, reagieren die Kunden mit Begeisterung, wenn die Bank auch noch eine erfreuliche Rendite erwirtschaften kann. Offensichtlich wird dem Vermögenserhalt in schwierigen Jahren besonders grosse Bedeutung beigemessen. Banken, die offen und regelmässig mit ihren Kunden kommunizieren, können dies durch eine wiederkehrende Analyse des Rendite-Risiko-Profils des Kunden eher erreichen als weniger kontaktfreudige Institute.
Gerade für das Private Banking ist es das erklärte Ziel, die Kunden zu begeistern. Vor dem Hintergrund von Märkten, die immer volatiler werden und dadurch schwierig einzuschätzen sind, wird der Austausch zwischen Kunde und Berater demnach sicher intensiver. Das wird für ein berechtigt hohes Selbstbewusstsein und wohl auch zukünftig für sehr gute Zufriedenheitswerte von Privatbankkunden sorgen.
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