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Fr. 30. April 2010 - 05:56 Uhr
«Was wollen schon zwei Frauen in einem technischen Umfeld?»

Balgach/SG. Die Victoriadruck AG in Balgach gehört zu den ältesten Druckereien der Region. An der Spitze des Unternehmens stehen zwei Frauen. Mit einer bewährten Strategie haben sie ein solides Fundament geschaffen. - mbMC

Nicola Wurster-Eichmann
 
Nicola Wurster-Eichmann

Edith Caviezel-Eichmann
 
Edith Caviezel-Eichmann

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Magazin LEADER April 201020.04.2010 / 13:20h
Magazin LEADER April 2010
Die Familie Eichmann stand Anfang der 1990er Jahre vor einer schweren Entscheidung. Man sass gemeinsam am Tisch und diskutierte über die Zukunft des 1945 gegründeten Unternehmens: Unerwartet war Inhaber und Geschäftsführer Edi Eichmann verstorben und der Betrieb damit von einem Tag auf den anderen ohne Leitung. Das über Jahre mit viel Einsatz Aufgebaute sowie die Arbeitsplätze von zwölf Mitarbeitern standen auf dem Spiel. Ein kurzes Intermezzo mit einem externen Geschäftsführer brachte nicht den gewünschten Erfolg. Es lag an den beiden Schwestern, das Erbe des Vaters zu bewahren. So übernahmen 1993 die eben an der HSG zur Betriebswirtschafterin ausgebildete Nicola Wurster-Eichmann und Edith Caviezel-Eichmann, Fachfrau in Typografie/Sachbearbeiterin GIB, den Betrieb.

Sie hatten sich in einer noch heute von Männern dominierten Branche zu behaupten – was anfangs nicht ganz einfach war. Nicola Wurster-Eichmann erinnert sich: «Bei unserem ersten Messebesuch wurden wir als potenzielle Kunden schlicht und einfach nicht wahrgenommen. Was wollen schon zwei Frauen in einem technischen Umfeld?» Die Antwort ist einfach: Erfolg haben. Und der Weg dorthin führt über Qualität und Dienstleistungen. Diese beiden Faktoren waren es, weshalb die Kunden der Firma die Treue hielten. «Von dieser Seite her spürten wir vom ersten Tag an eine grosse Akzeptanz. Unseren Auftraggebern war es egal, welches Geschlecht an der Spitze steht. Das Endprodukt musste überzeugen.»

Nicht jedem Trend hinterherrennen
Die neue, ins kalte Wasser geworfene Führung hielt, was sie versprach, und wartete seither in regelmässigen Abständen mit Innovationen auf: 1998 zum Beispiel, als die erste digitale Druckmaschine in der Region überhaupt in Betrieb genommen wurde. Und erst vor Kurzem, als mit der Anschaffung einer 5-Farben-Speedmaster aus dem Hause Heidelberg die grösste Investition in der gesamten Firmengeschichte getätigt wurde. Damit hält man konsequent an der vor 15 Jahren festgelegten Strategie fest: «Den Betrieb durch technologische Innovationen an der Spitze zu halten.»

Das aber nicht zu jedem Preis, wie Nicola Wurster-Eichmann erklärt: «Dass es uns auch heute noch gibt, hängt sicherlich von unserer breiten Produktpalette und der vernünftigen Strategie ab. Wir waren bei den steten Investitionen darauf bedacht, nur das anzuschaffen, was wir mit den selbst erarbeiteten Mitteln finanzieren konnten.» Das sei auch bei der «Speedmaster» der Fall gewesen. Lange wurde überlegt, ob der grössere «Bruder» in einer grösseren Formatklasse erstanden werden soll. Letztlich haben sich die Schwestern dagegen entschieden. «Die Entwicklung soll schrittweise verlaufen. Wir sind bisher nicht jedem Trend nachgerannt und werden das auch künftig nicht tun.»

Sandwichposition
Auch die Firmengrösse stehe nicht im Vordergrund. «Das mag im heutigen Umfeld, wo jede und jeder nach Wachstum schreit, eigenartig tönen», so die Geschäftsführerin. «Aber wir wollen einen Betrieb, den meine Schwester und ich mit 150 Prozent führen können und von dem unsere Familie leben kann. Quantitatives Wachstum stand nie im Vordergrund, sondern das qualitative. Dies konnten wir durch die steten Investitionen erreichen.»

Mit 14 Mitarbeitern gehört die Victoriadruck AG zu den drei Druckereien der Region, die sich mit einer mittleren Grösse behaupten. Daneben gibt es eine ähnliche Anzahl grössere Unternehmen sowie fast in jedem Dorf eine Ein- bis Zwei-Mann-Druckerei. «In dieser Sandwichposition spüren wir den Druck sowohl von oben wie auch von unten», erklärt Nicola Wurster-Eichmann. Als «kleine, grosse Druckerei der Region» konnte man diesem bisher jedoch gut standhalten. «Wir können die gesamte Wertschöpfungskette von der Vorstufe bis zur Weiterverarbeitung anbieten. Das macht uns als Partner attraktiv. Sie bekommen bei uns alles: von der Visitenkarte über Geschäftsdrucksachen bis hin zum Hochglanzprospekt.» Bis zum Format A2 wird das gesamte Spektrum im Bereich mehrfarbiger Drucksachen abgedeckt. Die Auflagengrösse spielt dabei grundsätzlich keine Rolle mehr: Kleinauflagen ab einem Exemplar werden als Digitaldruck ausgeführt, mittlere bis hohe Auflagen als Offsetdruck. Hinzu kommen bei einem Betrieb dieser Grösse Geschwindigkeit und Flexibilität.

Der Mix macht es
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die breite Abstützung im Bezug auf die Kundschaft. Wichtiger Partner ist – und das überrascht im Rheintal nicht – die Industrie. Aber auch Gewerbebetriebe, die öffentliche Hand und Privatpersonen gehören massgeblich zum tragenden Segment der Victoriadruck AG. «Der Mix aus den verschiedenen Branchen ist wohl ein Grund dafür, dass wir auf gesunden und soliden Beinen stehen und auch das schwere Jahr 2009 ohne gröbere Bremsspuren überstanden haben.» Nicola Wurster-Eichmann sieht auch der Zukunft optimistisch entgegen – trotz aller Billiganbietern im Internet: «Qualität und Professionalität werden immer gefragt sein. Das sind die Chancen, die man nutzen muss. Auch wenn das Produkt in vielen Fällen vergleichbar ist: Die entscheidenden Faktoren wie Beratung, Lieferzeiten und Verarbeitung sind es nicht.»


 
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