Die Beurteilung der Geschäftslage hat sich – trotz ungebrochener Stärke des Schweizer Frankens – erneut verbessert. Positive Signale kommen von der Exportindustrie. Die Ostschweizer Detailhändler blicken hingegen skeptisch auf die Entwicklung der kommenden Monate.
Der Ostschweizer Konjunkturindex ist nach einem kurzen Rückgang im Januar wieder auf einen Wert von +20 Punkten gestiegen. Grund dafür sind sowohl die bessere Beurteilung der Geschäftslage durch die Ostschweizer Unternehmen als auch die optimistischeren Erwartungen für die kommenden Monate. Der Ostschweizer Konjunkturindex bewegt sich seit einigen Monaten auf einem konstant hohen Niveau. Während dafür vor einigen Monaten vor allem die optimistischen Erwartungen der Unternehmen verantwortlich waren, wird der Ostschweizer Konjunkturindex aktuell stärker durch die positive Beurteilung der Geschäftslage getragen.
Ostschweizer Industrie trotzt dem starken Franken
Im Urteil der Ostschweizer Industrieunternehmen hat sich die Geschäftslage gegenüber Januar weiter verbessert. Positive Signale kommen vor allem vom Aussenhandel: Trotz starkem Franken konnten die Ostschweizer Exporte im Januar um 15% gegenüber dem Vorjahresmonat zulegen. Die Ostschweizer Exportwirtschaft erweist sich damit einerseits als äusserst anpassungsfähig und in der Lage, Wechselkursschwankungen durch betriebliche Massnahmen bis zu einem gewissen Grad aufzufangen. Andererseits profitiert die Ostschweizer Wirtschaft in hohem Mass vom guten Geschäftsgang in Deutschland. Viele Ostschweizer Industrieunternehmen sind Zulieferer für die Deutsche Wirtschaft und spüren indirekt den guten Geschäftsgang im grossen Nachbarland.
Maschinenindustrie spürt Rückenwind
In den letzten Monaten ist vor allem die Ostschweizer Maschinenindustrie in Fahrt gekommen. Dies zeigt sich unter anderem an der steigenden Kapazitätsauslastung der Unternehmen. Auch wenn beim Auftragsbestand durchwegs noch Verbesserungspotenzial besteht, so wird die aktuelle Geschäftslage doch mehrheitlich sehr positiv beurteilt. In den kommenden Monaten erwarten die Betriebe steigende Bestellungseingänge und Exporte. Sie rechnen aber auch damit, dass die Verkaufspreise stark unter Druck kommen werden. Angespannt ist die Situation nach wie vor in der Textilindustrie und in der Papier- und Druckindustrie. Beide Branchen konnten zwar ebenfalls von der wirtschaftlichen Erholung profitieren, kämpfen aber mit strukturellen Problemen.
Sorgenfalten im Detailhandel
Während der Wirtschaftskrise hat sich der private Konsum als Stütze der Ostschweizer Konjunktur bewiesen. Obschon die aktuelle Geschäftslage von den Ostschweizer Detaillisten immer noch mehrheitlich als gut bezeichnet wird, blicken sie nun mit gemischten Gefühlen auf die kommenden Monate. Auf der einen Seite dürften die weiter sinkende Arbeitslosigkeit und die Zuwanderung aus dem Ausland für eine Belebung im Detailhandel sorgen. Andererseits dämpfen der Preis- und Margendruck und der gerade in der Ostschweiz starke Einkauftourismus im benachbarten Euroland die Stimmung. Zudem geht die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich in diesem Jahr von stagnierenden Reallöhnen aus, was auch das Wachstum der Konsumausgaben begrenzt.
Weitere Erholung am Arbeitsmarkt
Im Februar hat sich die Lage auf dem Ostschweizer Arbeitsmarkt verbessert. Die Gründe dafür sind vor allem bei der anziehenden Exportindustrie zu suchen. Viele Ostschweizer Industriebetriebe stocken ihre Belegschaft wieder auf, um den aktuellen und vor allem den in den kommenden Monaten erwarteten Produktionsanstieg bewältigen zu können. Zudem hat im Februar die milde Witterung für gute Bedingungen im Baugewerbe gesorgt. Auch die Kurzarbeit bewegt sich mittlerweile auf einem sehr tiefen Niveau. Im Kanton St.Gallen waren im Dezember noch 542 Mitarbeitende von Kurzarbeit betroffen – zehnmal weniger als noch vor einem Jahr. Aufgrund saisonaler Effekte ist in den kommenden Monaten mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosenzahlen zu rechnen.
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