Vor sechs Jahren bot die damals noch junge Akademie für Wissenschaftliche Weiterbildung an der Universität Konstanz erstmals einen international ausgerichteten Aufbaustudiengang im Kartellrecht an. - mbMC
Inzwischen sind zwei weitere Kurse ins Programm aufgenommen worden: Kürzlich erhielten die ersten Absolventen des Kontaktstudiums Wirtschafts- und Steuerrecht ihre Zertifikate und im Herbst startet das Studium «Unternehmensstrafrecht und Recht der Auftragsvergabe».
Die Inhalte eines Studiums (siehe Box) sind das eine. Die Art und Weise wie das Wissen vermittelt wird, das andere. Hier hatte die Akademie für Wissenschaftliche Weiterbildung für die erwähnten Aufbaustudiengänge von Beginn an ein klares Konzept: Von Praktikern für Praktiker. Das zieht sich durch alle Kreise. Zentral für das Angebot ist die Kooperation mit kompetenten Partnern, um neben der wissenschaftlichen Qualität eine besondere Problemorientierung des Studienangebotes sicherzustellen. Mit anderen Worten: Auch die Dozenten kennen die meisten Fallbeispiele aus eigener Erfahrung. Sie sind in der Wirtschaft an der Front tätig und wissen, wovon sie sprechen. Es sind Unternehmensjuristen und Mitarbeiter von Behörden sowie Professoren aus dem Bereich Wirtschaftsrecht,die in praxisorientierten Vorlesungen und Workshops Entscheidungen und Urteile erläutern.
Geografische und personelle Vielfalt
Und das Angebot wurde bewusst für eine heterogene Zielgruppe entwickelt. «Unser Zielpublikum sind in erster Linie Juristen und Praktiker aus der Wirtschaft», erklärt Franz Böni, Weiterbildungsbeauftragter des Fachbereichs Rechtswissenschaft, Initiator des Kontaktstudiums «Kartellrecht» und Geschäftsführer der CB Consulta AG in Mosnang. Allerdings gehöre mit zum Konzept, dass besonders begabte Studentinnen und Studenten zu einem Unkostenbeitrag am Aufbaustudiengang teilnehmen können. «Das ergibt eine ideale Durchmischung aus theoretischem und praktischem Wissen.» Will heissen: Während die einen eine breite Erfahrung aus dem geschäftlichen Alltag mitbringen, können die anderen mit einem höchst aktuellen schulischen Wissen auftrumpfen. Auch den geografischen Unterschieden wird Rechnung getragen – bei den Dozenten wie auch bei den Kursteilnehmern. Die je drei Wochen umfassenden Studiengänge werden jeweils mit Personen aus verschiedensten Ländern besetzt.
Master in Business Law and Compliance
Das ab Herbst neu im Programm aufgenommene dritte Studium «Unternehmensstrafrecht und Recht der Auftragsvergabe» vervollständigt nunmehr das Angebot. Klammer der drei rechtswissenschaftlichen Kontaktstudien sind die Themen Wirtschaftsrecht und Compliance, also sämtliche präventive Massnahmen zur Gewährleistung der Einhaltung rechtlicher Regeln. Deshalb entwickelte die Akademie unter Mitwirkung der auf den einschlägigen Gebieten forschenden Professoren des Fachbereichs Rechtswissenschaft an der Universität Konstanz einen Weiterbildungsmaster in Business Law and Compliance, der den Absolventen der drei Kontaktstudiengänge auf Basis einer Masterarbeit und einer mündlichen Prüfung einen postgradualen Studienabschluss an der Universität Konstanz eröffnet.
«Wir unterscheiden uns damit ganz klar von anderen Universitäten», ist Franz Böni überzeugt, «das Angebot ist gerade für geschäftstätige Personen sehr attraktiv.» Als ersten Faktor führt Böni die Flexibilität auf: Jedem Teilnehmer sei es freigestellt, ob und wann er einen weiteren Studiengang absolviere. Und auch der nicht unwesentliche, zweite Faktor spricht für das Angebot: Das Geld. Mit Kosten von 4000 Euro für ein Kontaktstudium und Gesamtkosten des Master von rund 13.000 Euro liegt man deutlich tiefer als vergleichbare Möglichkeiten anderer Hochschulen.
Das Bauchgefühl bestätigen
Alle genannten Vorteile kennt Marcel Wolgensinger aus eigener Erfahrung. Der VR-Präsident der Wolgensinger AG in Wil absolvierte bereits erfolgreich die ersten beiden Kurse und wird ab Herbst auch im dritten Studiengang wieder für drei Wochen die Schulbank drücken. «Das angeeignete Wissen konnte ich mir in der Praxis schon einige Male zu Nutzen machen. Man reagiert dadurch deutlich schneller und sicherer», ist Wolgensinger überzeugt. «Und ganz wichtig: Was man bisher alleine mittels Bauchgefühl entschieden hat, kann man nun noch durch Fakten bestätigen.» Entscheidend sei ebenso die länderübergreifende Themenbehandlung. «Besuchen Sie in der Schweiz einen Kurs, haben Sie meist einen äusserst einseitigen Blickwinkel», umschreibt Wolgensinger. «Die ganzheitliche Betrachtung, der Einbezug der verschiedenen, länderbezogenen Systeme macht den Lehrgang so wertvoll.»
Die Studiengänge
Kartellrecht
Ein fundiertes Kartellrechtsverständnis ist aufgrund der erheblichen zivilrechtlichen und strafrechtlichen Konsequenzen für das Unternehmen und seine mit kartellrechtlichen Fragen befassten Mitarbeiter ein «must». Für Unternehmensjuristen oder kartellrechtlich tätige Personen vermittelt das Kontaktstudium in Form eines Intensivkurses vertiefte Kenntnisse und praktische Erfahrungen im deutschen, schweizerischen, europäischen und internationalen Kartellrecht.
Wirtschafts- und Steuerrecht
Neben international agierenden Konzernen sind auch mittelständische Unternehmen zunehmend grenzüberschreitend aktiv. Und das insbesondere in Deutschland, Schweiz, Österreich und Liechtenstein – Ländern im Zentrum Europas. Sowohl Juristen und Steuerfachleute dieser Unternehmen als auch ihre externen Berater stehen vor einer grossen, neuen Herausforderung: Sie benötigen übergreifende Kenntnisse im Wirtschafts- und Steuerrecht aller vier Länder.
Unternehmensstrafrecht und Recht der Auftragsvergabe
Eine internationale Geschäftstätigkeit verlangt von Juristen, Exportverantwortlichen und externen Beratern übergreifende Kenntnisse im internationalen Vergaberecht, um internationale Vertragsbeziehungen erfolgreich zu gestalten und internationale Ausschreibungen zu gewinnen. Das Kontaktstudium bietet die Möglichkeit, die relevanten Bereiche des internationalen Vergaberechts kennen zu lernen und zu vertiefen.
Jedes Kontaktstudium umfasst drei Kurswochen. Weitere Infos unter aww.uni-konstanz.de
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